Was passiert, wenn man drei Experten um ihre Meinung zur Entwicklung der Transportpreise bittet? Sie zeigen in mindestens drei unterschiedliche Richtungen: aufwärts, abwärts, seitwärts. Und vermutlich auf irgendwas dazwischen! Das liegt - ausnahmsweise - nicht an der sprichwörtlichen Lust von Experten, alles zu zerreden, sondern an der Komplexität, die Preisentwicklung im Güterverkehr generell zu beurteilen. Zu viele Faktoren spielen bei diesen Preisen ihre ganze eigene Rolle. Zu planungssicheren Größen wie Mautgebühren oder den Fahrerlöhnen gesellen sich dynamische Faktoren wie Kraftstoffpreise oder Aufschläge für unregelmäßige bzw. kurzfristig angesetzte Transporte. Bei der Berechnung von Transportpreisen kommt es daher selbst auf identischen Strecken nicht selten zu starken Schwankungen.

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Dennoch lohnt sich ein Blick auf die Entwicklung der Transportpreise insgesamt. Notgedrungen muss für einen solchen Überblick vieles über einen Kamm geschoren werden. Der Transport Market Monitor (TMM) löst dieses Problem, indem er für seinen Preisindex schlicht die durchschnittlichen Transportkosten pro Kilometer berechnet. Konkrete Zahlen nennt der TMM zwar nicht, bezieht sich aber immerhin auf einen Index, dessen initiale Erhebung auf das erste Halbjahr 2008 zurückgeht. Alle drei Monate werden seither die Zahlen miteinander verglichen, sodass sich zumindest Tendenzen der Transportpreis-Entwicklung daraus ergeben.

Der Transportpreisindex lag 2016 unter dem Niveau des Vorjahres

Im dritten Quartal 2016 sind demnach die Transportkosten im Vergleich zum zweiten Quartal 2016 um 1,3 Prozent gesunken. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sank der Preisindex sogar um 5,5 Prozent. Der Vergleich zum Vorjahr ist vor allem deshalb interessant, da der Transportpreisindex bislang im gesamten Jahr 2016 unter dem Vorjahresniveau lag. Die Differenz betrug durchschnittlich 5,9 Prozent. Mit anderen Worten: Gute Zeiten für Verlader. Sie bezahlten für Frachten im Schnitt weniger als im Vorjahr.

Der Bericht erfasst jeweils auch einen Kapazitätsindex. Dieser gibt Auskunft über die "verfügbare Kapazität". Der Index vergleicht dafür die Anzahl von Geboten je Transportanfrage. Die Zahl der Gebote pro Anfrage ging zwar im letzten Quartal leicht zurück, im Vergleich zum Vorjahreszeitraum weist der Kapazitätsindex jedoch einen Anstieg um 9,5 Prozent aus. Zusätzlich erhebt der TMM auch einen Dieselpreisindex. Dieser stieg zum Vorquartal um 2 Prozent, was auf eine weitere Rückkehr der Dieselpreise zum gewohnt hohen Preisniveau hinweist. Gleichwohl fallen die Dieselpreise im Vergleich zu den vergangenen Jahren nach wie vor günstig aus. Im ersten Quartal 2016 erreichten sie im langjährigen Mittel einen fast schon historischen Tiefststand. Die Zahlen des Bundesverbandes Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL) zur Abgabe an Großverbraucher bestätigen diese Entwicklung weitestgehend. Allerdings weist hier der Preisindex mit einer Steigerung von 7,3 Prozent im Dreimonatsvergleich zuletzt einen weit höheren Anstieg aus.

Niedrige Transportkosten trotz Kostenanstieg im Transportgewerbe

Die gewachsenen Kapazitäten dürften auch zu den Hauptgründen für die Transportkostenentwicklung unter Vorjahresniveau zählen. Die Branchenkosten für Spediteure sind laut BGL seit Anfang des Jahres immerhin um 4,27 Prozent gestiegen. Schuld daran sind vor allem die 2015 kräftig angehobenen Mautgebühren, die nun in 2016 vor allem die kilometer-abhängigen Leistungskosten in die Höhe treiben. Dass das mautpflichtige Fernstraßennetz mittlerweile 15.000 Kilometer umfasst, schlägt sich also deutlich in der Buchhaltung der Spediteure nieder. Auch Personal- und Verwaltungskosten sind zuletzt gestiegen, wenn auch im Schnitt um moderate 2 Prozent.

Um die Kostenstruktur besser in den Griff zu bekommen, wird sich der Trend zur Digitalisierung im Straßengüterverkehr auch 2017 fortsetzen. Schließlich lassen sich durch digitale Speditionen wie Frachtraum die Logistikleistung effektiv optimieren und Frachtkosten einsparen.