Ende Mai veröffentlichte die Managementberatung Oliver Wyman ihre neueste Studie zur Veränderung der Transportlogistik. Da die Studie für einiges Aufsehen gesorgt hat, möchten wir als Online-Spediteur unsere Sicht auf das Thema schildern.

Ein Handy mit der Uber-App. Doch taugt das Unternehmen auch als Vorbild für die Transportlogistik?

Ein wichtiger Teil des Artikels ist der Digitalisierung der Transportlogistik gewidmet. Unter der Überschrift Uber-Trucking is on its way wird zunächst einmal festgestellt, dass die Branche vor tiefgreifenden Veränderungen durch disruptive, digitale Geschäftsmodelle stünde.

READMORE

Viele amerikanische Startups, darunter Trucker Path, Transfix, und Convoy, sind dabei, sich als Alternative zu den klassischen Frachtenbörsen mit eigener Lizenz zu etablieren. Sie zeichnen sich durch Services, wie Track & Trace, Ad Hoc-Preise, die auf Grundlage von Algorithmen berechnet werden, sowie digitale Dokumentation über Smartphone-Apps und nahtlose Anbindung an Abrechnungs- und Buchhaltungssysteme aus.

Alle Angebote, die sich durch diese Funktionen auszeichnen, hätten darüber hinaus noch etwas gemeinsam: Den Versuch alte, zeit- und kostenintensive Systeme durch Automatisierung zu ersetzen. Im Ergebnis wären verladende Unternehmen und Frachtführer dadurch in der Lage, Kosten zu reduzieren und einen besseren und umfangreicheren Service zu erhalten. Daher der Begriff Uber-Trucking: Die Nähe zum Geschäftsmodell des Technologieunternehmens Uber, das die Taxiwirtschaft auf den Kopf gestellt hat, liegt auf der Hand.

Was ist also dran an der Uberisierung der Transportlogistik?

Wir teilen die Einschätzungen der Wyman Studie hinsichtlich der wesentlichen Merkmale digitaler Akteure in der Transportlogistik. Allerdings halten wir es für notwendig, drei Punkte mit in die Betrachtung aufzunehmen: Dichte der Nachfrage, operative Komplexität sowie die Unterscheidung zwischen der Kontraktlogistik und dem Spotmarkt. Schauen wir uns diese drei Dimensionen näher an:

Dichte der Nachfrage

Uber operiert nicht im Hochsauerland, sondern nur in Ballungszentren mit einer hohen Bevölkerungsdichte. Das Hochsauerland hat zwar wenig Ballungsgebiete, dafür aber umso mehr Transportlogistik. Eine hohe Dichte wiederum ist aber Voraussetzung dafür, dass Fahrer eine gute Auslastung haben ohne ihren Einsatzradius zu vergrößern, was bedeuten würde, dass sie viele Leerfahrten in Kauf nehmen müssen. Die Ad Hoc-Bestellung eines Frachtführers zur Verladung von Teil- oder Komplettladungen kann in solchen Regionen also nur bedingt funktionieren. Genauso wenig wie der Taxi-Service von Uber.

Operative Komplexität

Die Beförderung von Gütern ist in der Regel etwas komplexer als die Personenbeförderung per Taxi. Jeder weiß, welche Informationen benötigt werden, um ein Taxi zu bestellen. Im Vergleich dazu würde eine Bestellung für einen LKW in etwa so lauten: “Einen ganzen Jumbo mit Innenhöhe von 3 Metern sowie Hubdach zum Laden in 10961 Berlin am 3. Juni zwischen 7 und 8:30 Uhr und entladen in 04357 Leipzig am 4. Juni bis 13 Uhr. Es handelt sich um gestapelte Paletten, Gesamtgewicht 23,2t, Güterversicherung wird nicht benötigt. Be- und Entladung findet seitlich per Stapler statt”. Wenn man jetzt weiß, dass nicht jeder Jumbo eine Innenhöhe von 3 Metern hat, kann man sich vorstellen, dass es bei der Abwicklung von Straßentransporten viele Dinge zu klären gilt, die sich in einer simplen Direktvermittlung nicht adäquat abbilden lassen.

Kontraktlogistik und Spotmarkt

Uber versorgt seine Fahrer aktiv mit Echtzeit-Nachfrage Informationen, um diese Kunden-Nachfragen unmittelbar bedienen zu können. Es handelt sich also um das Äquivalent eines Spotmarkts. In der Transportlogistik und speziell im Fernverkehr ist eine ausschließliche Abwicklung über einen Spotmarkt schwer vorstellbar. Das liegt vor allen Dingen daran, dass nicht in allen Regionen zu jedem Zeitpunkt ausreichend Kapazitäten vorgehalten werden können und somit keine operative Abdeckung gewährleistet werden kann.

Bei der Beschreibung neuer Geschäftsmodelle ist es zu Beginn schwer diese verständlich zu machen, deshalb bedient man sich häufig einer Analogie. Auf den ersten Blick mag diese auch zutreffen, doch eine genauere Betrachtung lohnt sich, da Transportlogistik eben nicht identisch mit dem Taxigewerbe ist.