Das Fraunhofer Institut (Arbeitsgruppe für Supply Chain Services, SCS) hat unter dem Stichwort Transportlogistik 4.0 den Stand der Digitalisierung der Logistikbranche zusammengefasst. Herausgekommen ist eine Studie, die gut zusammenfasst, wie stark die Transportbranche bereits von der digitalen Transformation erfasst wurde und weshalb die Entwicklungen gerade erst ihren Anfang genommen haben.

Transportlogistik 4.0 – Symbolfoto READMORE Datenströme verändern die Logistik und führen zur Transportlogistik 4.0 KamiPhuc (CC BY 2.0)

Transportlogistik 4.0 als Logistik-Äquivalent zur Industrie 4.0

Als Branche, die gewissermaßen quer durch nahezu alle Industriebereiche unserer Wirtschaft läuft, weist das Transportwesen unzählig viele Kontaktpunkte zur Industrie 4.0 auf. Daher kann die Logistik auch buchstäblich nicht unberührt von der damit bezeichneten Entwicklung bleiben.

Im Wesentlichen lässt sich unter dem Label Industrie 4.0 die Hinwendung zu digitalen Produktionstechniken verstehen. Das revolutionär Neue an diesen Techniken ist, dass sie es einerseits ermöglichen, große Mengen von Daten zu erfassen und zu verarbeiten. Andrerseits lassen sich diese Daten nahezu beliebig miteinander verknüpfen und vernetzen. Dadurch lassen sich bislang starre Produktions- und Lieferkette völlig neu denken.

Eine für die Logistik besonders wichtige Konsequenz daraus ist, dass sich die bisherige Produktorientierung von Produzenten, Händlern und Lieferanten immer mehr verschiebt und sich immer stärker an den Bedarfen des jeweiligen Kunden orientiert. Vereinfacht gesagt, wird nicht mehr einfach aufs gerade Wohl losproduziert und ausgeliefert. Vielmehr gestalten in der Industrie 4.0 die Kunden ihr Produkt immer auch mit und bestimmen so auch, wann und wie es ausgeliefert wird. Der Begriff Transportlogistik 4.0 nimmt unmittelbar auf diesen Fokus-Wechsel weg vom Produkt und hin zum Kunden Bezug und kann so als Oberbegriff für die Veränderungen in der Logistik durch die digitale Transformation gewählt werden.

Die Fraunhofer-Studie definiert:

Transportlogistik 4.0 ist die daten- und vernetzungsbasierte Unterstützung überbetrieblicher Transporte mittels digitaler Technologien zur transparenteren, agileren und effizienteren Steuerung, Organisation, Durchführung und Abwicklung.

Entwicklungsstand der Transportlogistik 4.0

Um zu ermitteln, wie weit die digitale Transformation bereits die Transportbranche erfasst hat, wurden für die Studie Experten befragt, die selbst als Logistiker tätig sind. Überwiegend handelt es sich dabei um Führungskräfte aus Logistikdienstleistung (Spediteure), Handel, der Metall-, Automobil sowie Textil- bzw. Bekleidungsindustrie, die für Betriebsgrößen von bis 30 Mitarbeitern (11 Prozent), bis zu 300 (26 Prozent), bis zu 3000 (30 Prozent) oder 3001 und mehr Mitarbeitern (33 Prozent) tätig sind. Für 77 Prozent der Befragten haben die Straßentransporte die höchste Bedeutung.

Welche Ziele und Erwartungen sind mit der Transportlogistik 4.0 verknüpft?

Von der Digitalisierung versprechen sich die befragten Unternehmen vor allem, den lästigen Papierkrieg beenden zu können, der rund um die Auftragsübermittlung, die Frachtpapiere, der Dokumentation der Zustellung, der Abrechnung (Fakturierung) sowie der Zoll-Abwicklung entsteht. Während von der manuellen Eingabe der detailreichen Frachtdaten naturgemäß eine hohe Fehlerquote ausgeht, werden Übertragungsfehler bei der papierlosen Transportabwicklung konsequent vermieden. Die Disposition wird dadurch sicherer und effizienter. Das datengestützte Dokumentenmanagement erfüllt gleich zwei wesentliche Forderungen, die Logistiker gegenüber digitalen Neuerung der Transportlogistik 4.0 erheben: einer Steigerung a) der Produktivität und b) der Qualität.

Weitere wichtige Ziele, die Logistiker mit Hilfe der Digitalisierung erreichen möchten, sind c) Kostensenkungen, d) höhere Transparenz und e) mehr Flexibilität. Bemerkenswert ist, dass sich die befragten Unternehmen fast gar nicht dafür interessieren, ob die neuen Technologien ihnen helfen, gesetzliche Bestimmung einhalten zu können. Offenbar wird also nicht der Staat als Treiber der Transportlogistik 4.0 gesehen, sondern die eigene unternehmerische Entwicklung.

Bei den reinen Logistikdienstleistern steht Punkt c), die Kostensenkung, erwartungsgemäß ganz oben auf der Liste der Ziele, für die Einführung digitaler Arbeitsweisen. Hier schlägt der hohe Wettbewerbsdruck mit seinen entsprechend niedrigen Margen für Spediteure durch.

Was treibt die Unternehmen zur Transportlogistik 4.0?

Während die gerade genannten Ziele die eigene, betriebsinterne Motivation zur Digitalisierung beschreibt, gibt die Frage nach den Treibern der Entwicklung Auskunft über die von außen an die Betriebe herangetragene Motivationslage. Auch hier wird zu allererst der Kosten- und Margendruck genannt. Doch schon an zweiter Stelle folgen f) veränderte Kundenanforderungen.

Auch hier gibt es wieder einen bemerkenswerten Unterschied zwischen Logistikdienstleistern und betriebsinternen Logistikern. Erstgenannte nennen als Treiber der Transportlogistik 4.0 an erster Stelle die Kundenanforderungen. Die schon oben beschriebene Querlage zu anderen Branchen schlägt in diesem Punkt also voll durch. Spediteuren und andern Logistikdienstleistern bleibt schlicht nichts anderes übrig, als sich auf die sich verändernden Kundenanforderungen einzustellen. Sie müssen die Digitalisierung mitgehen.

Die Notwendigkeit, sich der digitalen Transformation zu stellen, ist unstrittig

Die Befragung ergab klar, dass die Notwendigkeit, sich für die Transportlogistik 4.0 fit zu machen, im Transportwesen flächendeckend angekommen ist. Kein Unternehmen gab an, digital nicht entwickelt zu sein. Je ein Drittel der Unternehmen schätzt seinen digitalen Entwicklungsstand als gering, durchschnittlich oder gut ein. Dass diese Einschätzung sehr realistisch sein dürfte, bestätigt die Tatsache, dass sich kein Logistikunternehmen derzeit als voll digital entwickelt begreift.

Transportlogistik 4.0 vollzieht sich stufenweise und in unterschiedlichen Umsetzungsgraden

Laut Fraunhofer-Studie befinden wir uns 2017 mitten in der ersten Umsetzungswelle der Transportlogistik 4.0. Die automatisierte Warenverbuchung mit Hilfe von Barcodes gehört längst zum flächendeckenden Standard in der Logistik. Die Einführung der GPS-Lokalisierung ist ebenfalls weit fortgeschritten. Investiert wird derzeit auch schon stark in die mobile Datenerfassung.

In den kommenden fünf Jahren zu erwarten ist ein Ausbau des Cloud Computings, die Verwendung von Apps für den Einsatz von Logistik-Dienstleistungen sowie die automatische Warenbuchung und Steuerung. Etwas länger wird der Aufbau von Entscheidungsunterstützungen in Echtzeit und Big Data Analytics (etwa für Prognose in der Disposition) dauern.

Der von heute aus weiteste Weg liegt vor dem durchgängigen Supply Chain Management, mit dessen Hilfe auf mögliche Störungen in der Lieferkette proaktiv vorgegangen werden können soll.

All diese Entwicklungen laufen dabei parallel, sodass sich derzeit Unternehmen mit unterschiedlichen Umsetzungsgraden der Transportlogistik 4.0 (TL 4.0) identifizieren lassen:

Wie mit der Digitalisierung in der Logistik umgehen? Acht Empfehlungen!

Die Studie mündet in acht Thesen zur Entwicklung der Transportlogistik 4.0, die letztlich nichts anderes sind als Handlungsempfehlungen für Unternehmen, wie aus der (unvermeidlichen) Digitalisierung das Beste zu machen ist: