Der Telematik fällt im Straßengüterverkehr immer mehr die Rolle einer Schlüsseltechnik zu. Telematiksysteme sind zentral für so unterschiedliche Anwendungen wie dem Flottenmanagement, der Lkw-Parkraumbewirtschaftung, Fahrerassistenzsystemen, einer rechnergestützten City-Logistik, der Verwaltung von Mautsystemen oder einer flächendeckenden Gefahrgutüberwachung. Und das wird aller Voraussicht nach längst noch nicht alles sein. Denn die Digitalisierung erweitert beständig die möglichen Einsatzfelder der Telematik.

Produktfoto der MAN Financial Services für Telematik-Lösungen. Das Symbolfoto zeigt einen Lkw, der mit Laptops in aller Welt verbunden ist READMORE Telematik ermöglicht den Datenaustausch auch unterwegs (MBWA PR (CC BY-SA 2.0)

Was versteht man unter Telematik?

Das Kunstwort Telematik ist zusammengesetzt aus den Begriffen Telekommunikation und Informatik. Womit wir unmittelbar bei der Definition sind: Telematik verknüpft Informationen mindestens zweier Informationsquellen (etwa Lkw und Flottenmanagement) miteinander, nutzt dafür Telekommunikationssysteme (z.B. Daten- und Sprachübermittlung über Mobil- oder Satellitenfunk) und verarbeitet dabei die so miteinander verknüpften Informationen zu auswertbaren Daten (etwa Infos über drohende Staus, Meldungen über mögliche Fahrzeugprobleme und ähnliches).

Dieser sehr allgemeinen und breiten Definition entsprechend findet man Telematik in ganz unterschiedlichen Bereichen. Um den Überblick über die verschiedenen Telematiksysteme zu behalten, wird gerne unterschieden zwischen

In die Welt gebracht wurde der Begriff übrigens 1978 von Simon Nora und Alain Minc in einem "Rapport für den Präsidenten" Frankreichs über die damals gerade im Entstehen begriffene Informationsgesellschaft.

Grundlagen telematischer Systeme im Güterverkehr

Um Telematiksysteme im Transportwesen sinnvoll einsetzen zu können, bestehen sie notwendigerweise aus den folgenden Systemkomponenten:

Einsatzgebiete der Telematik im Lkw-Güterverkehr

Im Lkw-Güterverkehr kommen derzeit vor allem zwei unterschiedliche Arten von Telematiksystemen zum Einsatz:

  1. Fahrerassistenzsysteme (FAS) – sie dienen unmittelbar der Fahrsicherung, unterstützen den Fahrer, konkret etwa durch einen Spurhalteassistenten, einen Notbremsassistenten oder ein elektronisches Stabilisierungsprogramm.
  2. Commercial Vehicle Operation – CVO-Systeme dienen vor allem der Optimierung wirtschaftlicher Interessen, verbessern durch Track und Trace also etwa die Disposition, das Flottenmanagement sowie die Touren- und Laderaumplanung.

Zu diesen für Fahrer und Spediteure zentralen Anwendungen kommt die Mauterhebung und deren Kontrolle als wichtiger Telematik-Mitspieler im Güterverkehr hinzu. Üblicherweise wird dafür in Deutschland die On-Board-Unit (OBU) von Toll Collect eingesetzt. Die Verwendung der OBU ist allerdings nicht Pflicht, möglich ist auch die manuelle Einbuchung an Terminals oder über das Internet.

Telematik und Flottenmanagement

Für das Flottenmanagement ist die Telematik geradezu ein Geschenk. Sie ermöglicht es, prinzipiell zu jedem Zeitpunkt zu wissen, wo welche Fracht auf welchem Lkw unterwegs ist. So können nicht nur Ladekapazitäten optimal ausgeschöpft werden. Auch Touren lassen sich unter Berücksichtigung von Verkehrsaufkommen planen. Das Controlling kann dabei sogar den Zustand der Fahrzeuge überwachen, sodass frühzeitig Reparaturen eingeplant werden können. Die Vorteile, die Ihnen eine digitale Spedition wie Frachtraum bietet, kommen durch geeignete Telematiksysteme zur vollen Entfaltung.

Für unternehmensübergreifende Supply-Chains verspricht die RFID-Technologie sowie die Entwicklung von Smart Packaging noch mehr Transparenz, die zu einer weiteren Effektivitätssteigerung des Flottenmanagements führen wird. Statt nachträglich auf gegebene IST-Zustände reagieren zu müssen, entwickeln sich all diese Techniken im Verbund zu Voraussage-Instrumenten, die die zentrale Frage jeder Disposition klären helfen: Wann kommt wo welche Fracht auf welchem Weg am schnellsten an? Telematik ist für diese Entwicklung hin zu mehr Transparenz und Vorhersagbarkeit im Transportgeschäft zwar nicht allein zuständig, aber eben doch wesentliches Element, sprich: eine tragende Säule dieses Fortschritts.

Telematik und Parkraumbewirtschaftung

Will man die Not von Lkw-Fahrern, einen Parkplatz zu finden, lösen, empfiehlt sich ebenfalls der Einsatz von Telematiksystemen. Der Grund dafür ist denkbar einfach: ohne Telematik kann die Parkplatzsuche immer nur individuell und daher ungeordnet erfolgen. Parkplatz-Apps etwa können bestenfalls mikro-lokal Fahrzeuge auf eventuell noch freie Plätze lotsen – zur Verfügung stehen auch nur die ins "App-versum" eingepflegten, dort gelisteten Parkplätze.

Die Telematik ermöglicht es dagegen, schon weit im Voraus zu planen, wann welcher Lkw wo Pause macht. So können Parkplätze früh gebucht und zugleich kann auf eventuelle Verzögerung reagiert werden, sodass der frei gehaltene Parkplatz an ein anderes Fahrzeug geht, während der Zuspätkommende auf einen noch freien Platz umgelenkt wird. Auch das chronische Parkflächendefizit ließe sich mit Hilfe solcher Systeme zumindest lindern, da es zusätzliche Parkflächen auf Firmengeländen zur Verfügung stellen kann (ideal für Diebstahl gefährdete Frachten: das Übernachten auf überwachten Parkplätzen von Firmen).

Fahrüberwachungssysteme (FAS)

Sowohl im Sattelschlepper als auch im Sattelauflieger gibt es etliche Parameter, deren Überwachung eine Steigerung der Effizienz, mehr Transparenz und größere Sicherheit im Güterverkehr verspricht. Neben der heute schon üblichen Überwachung der Lenk- und Ruhezeiten könnte auch die Überwachung des Fahrverhalten hinzukommen. Fahrer lassen sich mit Hilfe der bei den Fahrten erhobenen Daten gezielter schulen, etwa, wie sie noch spritsparender fahren. Die permanente Überprüfung von Reifenluftdruck, Bremstemperatur und der Reifenprofile bringt ein höheres Maß an Sicherheit. Durch Kontrolle der Mimik des Fahrers lässt sich Müdigkeit erkennen. Kommt es zum gefürchteten Sekundenschlaf, kann der Fahrer optisch, akustisch oder durch Vibrationen gewarnt werden.

Sensoren im Sattelauflieger können nicht nur die Temperatur und die Flächennutzung im Laderaum messen, sondern auch den Status der Containertür. Der Laderaum kann daher mit Hilfe von Telematiksystemen künftig nicht nur besser ausgenutzt, sondern auch besser vor Diebstahl gesichert werden.

Die ab 2019 für neue Lkw in der EU zur Pflicht werdenden "intelligenten" Fahrtenschreiber werden dabei ihren Anteil zur Fahrüberwachung haben. Sie sind nämlich nicht nur an globale Satellitennavigationssysteme angebunden, sondern ermöglichen auch die Fernkommunikation mit anderen Geräten und sind so auch an intelligente Verkehrssysteme angeschlossen. Drohende Staus, Unfälle, aber natürlich auch Informationen über gut fließenden Verkehr gehen so in Echtzeit an Verkehrsleitsysteme.

Telematik öffnet die Türen für Platooning und selbstfahrende Lkw

Fährt ein Lkw im Windschatten eines anderen, verbraucht er weniger Treibstoff und senkt so auch seinen CO2-Ausstoß. Fahren mehrere Lkw in einer Kolonne eng hintereinander, passen zudem mehr Fahrzeuge auf die Straßen. Angesichts des immer knapper werdenden Verkehrsraums sind solche Lösungen zumindest aus verkehrsplanerischer Sicht wünschenswert. Um das sogenannte Platooning zu ermöglichen, werden ebenfalls Telematiksysteme benötigt. Für den selbstfahrenden Lkw sind sie ohnehin notwendige Voraussetzung.

Fazit

Die Telematik spielt in nahezu allen Zukunftstechnologien der Logistik eine zumindest helfende oder stützende Rolle. Fahrer profitieren von entsprechenden Systemen durch ein Mehr an Sicherheit, was sich sowohl auf die Planbarkeit ihrer Touren als auch die Sicherheit ihres Fahrzeugs und ihrer eigenen Gesundheit bezieht. Sie verlieren allerdings durch die Telematik auch ihr früher hohes Maß an Selbstständigkeit, das hauptverantwortlich für die Trucker-Romantik von einst war.

Für Spediteure steht der Einsatz von Telematiksystemen immer unter dem Vorbehalt der Wirtschaftlichkeit. Bei weitem nicht alles, was auf dem Markt angeboten wird, rechnet sich in der Praxis. Langfristig dürften sie von der Entwicklung der Telemantik gleichwohl profitieren, da sie ein hohes Maß an Optimierung der Disposition mit sich bringt.

Größter Treiber der Telematik-Entwicklung wird wohl aber der Staat bleiben. Das allein schon deshalb, weil die Verkehrsinfrastruktur dem prognostizierten Verkehrswachstum nur durch bessere Planung und Lenkung der Verkehrsströme gerecht werden kann. Genau hier spielt die Telematik ihre Stärken voll aus.