Teams sind die Säulen gut funktionierender Firmen. Entsprechend zählt die Fähigkeit Teams zu führen, zu den zentralen Anforderungen die an Führungskräfte gestellt werden. Kurioserweise entscheiden dennoch meist andere Kriterien darüber, wem Führungsverantwortung übertragen wird: Gute Karten hat meist, wer technische und fachliche Kenntnisse, beeindruckende Umsatzzahlen und/oder ein gutes Standing in der "Chefetage" aufzuweisen hat. Ans Team wird bei solchen Entscheidungen in der Regel gar nicht erst gedacht.

Erfolgreiches Management erfordert jedoch ein gutes Gespür für Teams. Frachtraum hat sich wichtige Studien zur Teamführung angesehen und hier für Sie zusammengefasst.

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Gut funktionierende Teams sind die Basis des wirtschaftlichen Erfolgs. rawpixel.com on Unsplash

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Warum Google das Management abschaffen wollte – und nun doch wieder auf Teamführung setzt

Startups benötigen kein Management. Wer agil und innovativ handeln will, muss sich frei machen von jeder Bestimmung von oben. Diese Meinung vertrat auch Google jahrelang. Der Suchmaschinen Konzern hatte schließlich selbst vorgemacht, wie man auch ohne klassisches Management zum Weltmarktführer aufsteigen kann. Von Anfang an hatte das Unternehmen aus Mountain View auf flache Hierarchien gesetzt. Äußeres Zeichen der Ablehnung des traditionellen Top-Down-Führungsstils war der Verzicht auf Schlips und Anzug. Sogar die beiden Gründer des Unternehmens, Larry Page und Sergey Brin stellten sich wie alle Angestellten in der Kantine zum Mittagessen an.

Leistung allein sollte zählen. Der Einzelne sollte sich daher am besten selbst führen. 2002 ging das sogar soweit, dass das Unternehmen Hierarchien bis auf ein Minimum abschliff. Die Mitarbeiter arbeiteten weitgehend autonom. Google wurde dadurch jedoch nicht innovativer, effektiver und erfolgreicher. Im Gegenteil! Das Unternehmen geriet in Schieflage. Schon nach wenigen Monaten musste das Experiment abgebrochen werden.

Um die richtigen Lehren aus dieser Erfahrung zu ziehen, startete Google 2008 das Project Oxygen. Zentrale Frage der Führungsstudie: Sind Manager wirklich notwendig? Im Sommer 2017 veröffentlichte Google die Ergebnisse der Studie. Zentrales Ergebnis: Ein gutes Management macht im Wettbewerb nach wie vor den Unterschied.

Was laut Google-Studie eine gute Führungskraft ausmacht

Gerade Führungskräfte mit technischem Hintergrund oder viel Fachwissen sind häufig der Meinung, diese Skills allein reichten aus, um auch als Manager gute Ergebnisse zu liefern. Die Google-Studie zeigte jedoch, dass es zwar hilfreich ist, wenn Führungskräfte ihr Team durch technisches bzw. fachliches Wissen leiten können. Die Fähigkeit rangiert in der Liste von acht Merkmalen einer guten Führungskraft jedoch auf dem letzten Platz. Wichtiger sind die folgenden Empfehlungen für Führungskräfte:

  1. Sei ein guter Coach für deine Team-Mitgliedern
  2. Fördere Dein Team, verzichte daher darauf, alle Kleinigkeiten zu kontrollieren (kein Mikro-Management)
  3. Sei interessiert an Deinen Team-Mitgliedern, nimm Anteil an ihren Erfolgen und ihrem Wohlergehen
  4. Sei produktiv und arbeite ergebnisorientiert
  5. Sei ein guter Kommunikator, höre zu und teile Informationen mit anderen
  6. Hilf anderen bei der Entwicklung ihrer Karriere
  7. Entwickle eine klare Strategie und Vision fürs Team
  8. Nutze Deine technischen bzw. fachlichen Kenntnisse, um Dein Team zu beraten

Die Führungsstudie beruht auf Daten, die durch Mitarbeiterbefragungen, Interviews, Leistungschecks sowie weiteren Evaluationen erhoben wurden. Google merkt an, dass viele Manager die in der Liste gegebenen Tipps zwar intuitiv schon früher für richtig hielten, sie aber erst ernst nahmen, nachdem deren Wert durch Daten belegt wurde. Die Google-Studie legt einmal mehr nahe, wie wichtig Teamkompetenz für Führungskräfte ist. Die folgenden Tipps und Erkenntnisse helfen, die Fähigkeit Teams zu führen zu verbessern.

Teaming statt Teambuilding!

Teams sind keine starren Gebilde. In der Praxis ist es eher die Regel als die Ausnahme, dass einzelne Team-Mitglieder in andere Teams oder Unternehmen wechseln. Während im Sport oder in Orchestern Teams oft viel Zeit bleibt, um sich "zu finden", bleibt im hektischen Berufsalltag dafür so gut wie nie ausreichend Zeit. Da durch die Digitalisierung Arbeitsumgebungen immer flexibler werden, wird es künftig auch immer mehr wechselnde Teams geben. Statt viel Zeit und Ressourcen ins Teambuilding zu stecken, empfiehlt Amy C. Edmondson, Professorin für "Leadership and Management" an der Harvard Business School, besser das sogenannte Teaming zu praktizieren.

Teaming basiert auf den traditionellen Team-Fähigkeiten der Zusammenarbeit, dem Aufbau von Vertrauen und dem Wissen darum, wie man sich untereinander koordiniert. Beim Teaming lernen die Team-Mitglieder jedoch nicht erst langwierig, sich aufeinander einzuspielen, stattdessen werden sie angehalten, anderen (wechselnden) Team-Mitglieder (stets und wiederholt) präzise Fragen zu stellen und sich so auf den bzw. die neuen Partner einzurichten. Der Vorteil dieser Methode besteht vor allem darin, dass die Organisation selbst dazulernt. Wissen wird so viel schneller im Unternehmen mit anderen geteilt.

Beim Teaming wird zudem keine Zeit damit vergeudet, ein Team herauszubilden. Teambuilding wird im Teaming als permanenter Prozess verstanden, an dem jeder Einzelne mitarbeitet.

Widerstehe der Versuchung, dein Team zu dominieren

Wer Führungsverantwortung übernimmt, muss immer auch Führungsstärke zeigen. Diese ist leicht zu verwechseln mit einem dominanten oder gar autoritären Verhalten. Führungskräfte bemerken dabei häufig nicht einmal, wenn sie sich dominant verhalten. Typisch dafür ist etwa der Chef, der seine Mitarbeiter zur offenen Diskussion auffordert und dann permanent selbst spricht, ohne die anderen richtig zu Wort kommen zu lassen. In vielen Studien konnte gezeigt werden, dass ein solches Verhalten, die Leistungsfähigkeit von Teams spürbar senkt.

Die US-Wirtschaftswissenschaftlerin Francesca Gina fand heraus, dass Teams dann bessere Leistungen zustande bringen, wenn sie von einer Person geführt wurden, die ihre Führungsrolle als formal interpretierte. Mit anderen Worten: um ein Team zu führen, ist es immer auch hilfreich, an diese Aufgabe mit Demut heranzugehen und sich klarzumachen, dass die "Macht" über das Team nur dem formalen Zweck dient, es auf dem schnellsten und besten Weg zum Ziel zu führen. Diese Empfehlung gibt übrigens auch Google seinen Führungskräften.

Wiederhole beharrlich Deine Botschaften (und nutze dafür mehrere Medien)

Führungskräfte beschleicht häufig das Gefühl, es nicht mit erwachsenen Mitarbeitern zu tun zu haben, sondern mit Kindern. Denn wie Kinder befolgen auch Mitarbeiter nur äußerst selten Aufgaben, Anweisungen oder Bitten schon beim ersten Mal. Studien konnten zeigen, dass Führungskräfte gut beraten sind, Mitarbeiter immer wieder mit den gleichen Botschaften zu "behelligen". Wenn sie ihre Botschaften dann auch noch mal mündlich, mal per E-Mail, mal per Chat oder mal per Telefon anbringen, erreichen sie ihre Ziele schneller und einfacher.

Auf diesen Trick kamen die Forscher übrigens, indem sie untersuchten, ob Teamführer ohne reale Macht anders kommunizieren als solche mit Weisungsbefugnissen. Während Vorgesetzte davon ausgehen, dass Ihre Weisung unmittelbar befolgt wird und daher nur selten nachhaken, müssen Teamführer ohne Macht, sich andere Wege suchen. In der Regel heißt der Ausweg eben Beharrlichkeit. Die Mitglieder des Teams werden sofort mit den Anforderungen und Wünschen konfrontiert bis sie angenommen und umgesetzt werden. Team-Chefs ohne Weisungsbefugnis "schmieren beständig die Wagenräder" ("grease the wheels") wie es in der Studie heißt. Vorgesetzte mit sind gut beraten, es ihnen (demütig) gleichzutun.