Die Weitervermittlung von LKW-Gütertransporten ist im Speditionsalltag nicht die Ausnahme, sondern vorherrschende Praxis. Im Jahr 2015 waren es laut Bundesverband Spedition und Logistik (BSL) nur noch 20 % aller Speditionen, die Straßengütertransporte mit eigenen LKWs durchführen, und damit diese Leistungen im sogenannten Selbsteintritt anbieten.

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Das heißt im Umkehrschluss, dass 80 % aller im Speditionsgewerbe abgewickelten Transporte weitervermittelt werden. Was bedeutet dies speziell für verladende Unternehmen?

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Welche Vorteile bringt der Selbsteintritt?

Laut Deutschem Wirtschaftslexikon wird der Begriff Selbsteintritt „im Speditionsgewerbe verwendet, wenn der Spediteur zusätzlich zum Frachtführer wird. Er erlangt dabei zusätzlich zu den Rechten und Pflichten eines Spediteurs die Rechte und Pflichten eines Frachtführers. Im Frachtbrief steht der Spediteur gleichzeitig als Absender und Frachtführer.“ Die Abwicklung von Transporten im Selbsteintritt entspricht damit genau dem klassischen Bild, das Ottonormalverbraucher vom Speditionsgewerbe hat: Ein Spediteur hat eigene LKWs, die in seinem Auftrag die Transporte durchführen, für die seine Spedition von verladenden Unternehmen beauftragt wurde.

Spediteure, die Transporte nicht im Selbsteintritt abwickeln, vermitteln angenommene Aufträge an Fuhrunternehmen, deren Konditionen günstiger sind als die Kosten, die ihnen bei eigener Durchführung entstehen würden. Das können beispielsweise Einzelunternehmer aus osteuropäischen Ländern sein, die aufgrund geringer Lohnkosten einen Transport zu einem wesentlich günstigeren Preis anbieten können. Oftmals bleibt es nicht bei einer einfachen Vermittlung: Viele Fuhrunternehmer werden selbst zu Maklern und suchen nach noch günstigeren Wettbewerbern, an die sie den Transport weitervermitteln können. Alle in diesem Prozess involvierten Parteien verdienen an der Vermittlung – ohne am tatsächlichen Transport beteiligt oder letztlich dafür verantwortlich zu sein. Was folgt daraus für verladende Unternehmen?

Nachteile für verladende Unternehmen bei fehlendem Selbsteintritt

In der Praxis bedeutet die Weitervermittlung von Transporten durch Spediteure im Wesentlichen drei Dinge:

So kann es passieren, dass ein rumänischer Fuhrunternehmer von einem deutschen Spediteur mit der Abholung von Ware bei einem Hamburger Unternehmen beauftragt wird. Sollte der LKW nicht zu der avisierten Uhrzeit an der Rampe des Verladers ankommen, ist es in der Mehrheit der Fälle schwierig bis unmöglich mit dem Fahrer darüber zu kommunizieren, wo er gerade ist und wann er plant, mit der Ware einzutreffen. Das führt zu weiteren Planungsschwierigkeiten und Kosten.

Ebenso problematisch gestaltet sich die Situation aus Sicht des Verladers, wenn eine Fahrt zwar weitervermittelt, aber von dem Fuhrunternehmen, das am Ende der Kette den Auftrag angenommen hat, aus verschiedenen Gründen nicht durchgeführt wird. Je öfter eine Fahrt weitervermittelt wird, desto höher ist das Risiko, dass ein Transport aufgrund einer neuen, lukrativeren Option nicht durchgeführt wird. Durch ständig wechselnde Fahrer ist es zudem schwierig, ein belastbares Vertrauensverhältnis zu entwickeln.

Selbsteintritt schafft Sicherheit und Verlässlichkeit - und erhöht die Servicequalität

Fuhrunternehmen, die Ladungen im Selbsteintritt transportieren, bieten verladenden Unternehmen viele Vorteile. Im Falle von Verspätungen oder Beschädigung der Ware ist klar, wer für den Transport die Verantwortung trägt – nämlich der Fahrer, der auch mit dem entsprechenden Transport beauftragt wurde. Damit verbunden ist eine direkte und transparente Kommunikation, die dazu beiträgt, dass eventuell auftretende Probleme zeitnah und unkompliziert gelöst werden können. Für den Verlader ist ebenfalls relevant, dass er es bei Transporten im Selbsteintritt mit einem einzigen Ansprechpartner zu tun hat, der ihm die Planungssicherheit geben kann, um gegenüber seinen Kunden als verlässlicher Partner aufzutreten. Kurzum: Der Selbsteintritt bietet verladenden Unternehmen ein deutliches Plus an Service und Sicherheit. Aus diesen Gründen fahren die Frachtführer von Frachtraum ausschließlich im Selbsteintritt.