Die Anforderungen an die Logistik werden immer komplexer: Kunden möchten nicht nur in immer engeren Zeitfenstern beliefert werden, sie wünschen sich auch mehr Transparenz über die Lieferkette. Trotz gestiegener Komplexität dürfen die Preise natürlich nicht nach oben gehen. Ach ja – und flexibler sollten Lieferungen doch bitteschön auch noch werden. Experten sprechen bereits von einer "Komplexitätsfalle", in die unsere Informationsgesellschaft tappen könnte. Einen Ausweg verspricht die RFID-Technologie zu sein. Sie bietet sich gerade in der Logistik als ein Alleskönner an, der die Vorteile der Informationstechnologie mit der realen Welt der Waren verbindet. Grund genug, sich diese eierlegende Wollmilchsau einmal genauer anzusehen.

RFID Chip READMORE "RFID Chip" by Judit Klein is licensed under CC BY 2.0

Vom Barcode zu RFID

Barcodes heften bereits seit den 70er Jahren auf unseren Produkten. Für die Verbreitung und Durchsetzung der Strichcodes (die heute üblichen zweidimensionalen QR-Codes wurden erst Mitte der 90er Jahre eingeführt) maßgeblich verantwortlich war der Druck der US-Supermarktkette Wal-Mart auf Produzenten. Da die Codes durch elektronische Lesegeräte ausgelesen werden, vereinfachen und beschleunigen sie das Erfassen der eingekauften sowie der verkauften Waren. Die Inventur des Warenbestandes wurde dadurch fortlaufend möglich.

Barcodes sind jedoch rein passiv. Einmal ausgedruckt, benötigen Sie einen Scanner, um ausgelesen zu werden. Nachträgliche Änderungen sind nicht möglich. Genau hier setzt die RFID-Technologie an und geht einen entscheidenden Schritt weiter. RFID kann als eine Art elektronischer Barcode verstanden werden. Die Abkürzung steht für radio-frequency identification, auf Deutsch: Identifikation durch elektromagnetische Wellen. RFID ist ein Sender-Empfänger-System, kann also sowohl passiv Daten empfangen als auch aktiv Daten senden. Für diesen Datenaustausch benötigt RFID vier Komponenten:

Für die Logistik besonders interessant ist die Möglichkeit, dass sich RFID-Etiketten zusätzlich mit Sensoren ausrüsten lassen, die etwa die Temperatur oder die Lage der mit dem Etikett ausgezeichneten Waren kontrollieren. So könnte das RFID-Etikett den Fahrer informieren, wenn die Temperatur im Kühlwagen steigt oder Waren gestohlen werden. Können die Diebe die RFID-Chips nicht entfernen, wäre auch eine Ortung des Diebesguts möglich.

RFID als Schlüsseltechnologie des "Internets der Dinge"

Der im Vergleich zum Barcode wesentlich komplexere Aufbau bringt etliche weitere Vorteile mit sich. Die Funketiketten sind wiederbeschreibbar und können in Echtzeit geortet sowie ausgelesen werden. Dadurch lassen sich Prozesse beschleunigen und vereinfachen. Die Daten sind ohne physischen oder optischen Kontakt auslesbar. Es können zudem mehr Etiketten in kürzerer Zeit ausgelesen werden. Das System ist daher wesentlich leistungsfähiger.

Während Barcodes nur durch die strenge Einhaltung einheitlicher Datenstandards und Produktidentifikationen funktionieren, bieten RFID-Chips mehr Flexibilität für spezifische Bedürfnisse. Vor allem ermöglicht die RFID-Technologie einen verbesserten Datenaustausch und damit letztlich mehr Transparenz über den Warenfluss. So kann jedes einzelne Stück Ware durch den Einsatz von RFID mit dem Internet verbunden werden. Daher ist die RFID-Technologie in der Vision vom Internet der Dinge auch von herausragender Bedeutung. Durch RFID werden Waren, Verpackungen, Behälter, Paletten oder Container gewissermaßen intelligent. Sie wissen, wo sie zum jeweiligen Zeitpunkt sein sollen und können benötigte Ressourcen selbstständig anfordern.

Durch RFID wird die reale Welt mit ihren Dingen in die virtuelle Welt der Daten übertragen. Empfänger können in Echtzeit nachverfolgen, wo sich ihre Lieferung gerade befindet. Track & Trace wird so zum Standard. Die Waren werden aber nicht nur lokalisierbar, sie können auch eine gewisse Autonomie erhalten. So könnten die Transponder etwa die Transportroute und die Lieferzeit speichern. Im Austausch mit anderen RFID-Chips würde sich beim Be- oder Entladen eine vergessene Palette von sich aus melden. Denn auch die Liefermenge ist auf den Chips gespeichert. Daher würden sie auch auf Fehlbeladungen aufmerksam machen. Sogar die Reihenfolge der Beladung können mit RFID-Chips ausgestattete Paletten kontrollieren. Kurz: Mit RFID lassen sich die Visionen der Industrie 4.0 umsetzen.

Stirbt der Barcode durch RFID aus?

Wohl eher nicht. Denn trotz aller Vorteile ist RFID vergleichsweise teuer. Barcodes dagegen sind extrem günstig in der Herstellung. Ein entsprechendes Programm genügt und schon können Etiketten oder Papiere ganz einfach ausgedruckt werden. Zudem entwickelt sich auch der Barcode ständig weiter. Mittlerweile gibt es mit dem Digital Watermark Code sogar unsichtbare Barcodes. Die DW-Codierung wird – für das menschliche Auge nicht sichtbar – auf einer Milchpackung rund 100 Mal aufgebracht. Da der Scanner den Barcode nicht erst suchen muss (bzw. jemand den Scanner an den Barcode halten muss), wird die Artikelnummer wesentlich schneller erfasst. Auch Kunden können ihr Smartphone dadurch viel bequemer als Scanner nutzen. Die Suche nach dem Code hat ein Ende. Der Code ist schließlich überall auf der Packung, sodass Verbrauchern schnell über entsprechende Webseiten Informationen zum Produkt erhalten. Wie weit die RFID-Technologie Einzug in die Logistik hält, ist daher sicherlich nicht zuletzt eine Frage der Kosten.