CO2 gilt als "Klimakiller". Da Lkw nach wie vor überwiegend mit oxidausstoßendem Diesel fahren, liegt der Schluss nahe: der Diesel-Lkw beteiligt sich am Klimakillen und muss daher runter von der Straße. Das sah auch die Bundesregierung der Großen Koalition aus SPD und CDU so und verkündete das Ziel, ab 2050 nur noch emissionsfreie Fahrzeuge zuzulassen. Während den Grünen dieses Ziel längst noch nicht ambitioniert genug ist, winken viele Experten ab und halten es für nicht erreichbar. Der Weg zur klimafreundlichen Logistik – er wird ganz offenbar kein leichter sein.

Klimafreundliche Logistik – Seifenblase oder realistisches Ziel. Symbolfoto mehrere Seifenblasen READMORE Hübsch, aber fragil ... und das gilt nicht nur für Seifenblasen ... (Px4u by Team Cu29; CC BY-ND 2.0)

Klimafreundliche Logistik heißt vor allem CO2-freie Logistik

Der Fortschritt in den letzten 150 Jahren verdankt sich zu einem Gutteil der Energiegewinnung durch kohlenstoffhaltige Substanzen wie Kohle, Öl und Gas. Ihre Verbrennung setzt das farb- und geruchlose CO2 frei. Das Gas ist ein natürlicher Bestandteil unserer Luft und für den Menschen nicht schädlich (wir setzen es selbst bei Atmung und Verdauung frei). Zum Problem wird Kohlendioxid in der Atmosphäre. Steigt zu viel davon auf, wirkt es als Treibhausgas. Es verhindert dann, das die Wärmestrahlung der Erde entweichen kann. Die Wärme wird stattdessen zurück auf die Erde reflektiert, die sich dadurch erwärmt.

Im Jahr 1800, vor der Industrialisierung, lag der jährliche CO2-Ausstoß durch Verbrennung fossiler Brennstoffe noch bei 29 Million Tonnen. 200 Jahre später lag der Ausstoß bereits bei 24,6 Mrd. Tonnen. Nur 13 Jahre danach, also 2013, war der Ausstoß noch einmal gewaltig angewachsen auf knapp 36 Mrd. Tonnen. Zugleich stieg die globale Durchschnittstemperatur seit der Industrialisierung um durchschnittlich 1,2 ° C an. Steigt die globale Erwärmung auf 2° C (im Vergleich zur vorindustriellen Ära), erwarten Experten Wetterextreme und einen Klimawandel mit kaum zu bewältigenden ökonomischen Folgen.

Diese Daten stecken auch hinter der Forderung nach einer klimafreundlichen Logistik. Sie beschränkt sich im Wesentlichen darauf, die CO2-Emission im Güterverkehr zu mindern oder sogar ganz zu vermeiden. Für den Straßenverkehr kommt verschärfend hinzu, dass Landwirtschaft und Industrie weit weniger Möglichkeiten besitzen, die Emission von Treibhausgasen zu mindern als der rollende Verkehr. Mit dem Pariser Klimaabkommen hat sich die Bundesregierung darauf verpflichtet, in den kommenden Jahren den Ausstoß von Treibhausgasen kontinuierlich zu senken. Schon bald wird die dann noch erlaubte Treibhausgasemission von Landwirtschaft und Industrie vollständig aufgebraucht werden. Für die Logistik bleibt in dieser Rechnung einfach kein Platz.

Welche Mittel gibt es für eine klimafreundliche Logistik?

Es ist im Grunde wie immer: Ideen gibt es viele. Welche davon sich sowohl ökologisch als auch ökonomisch und nicht zuletzt auch logistisch durchsetzen werden, ist derzeit noch nicht auszumachen. Da jedoch davon auszugehen ist, dass der Verkehr zunehmen wird (die Bundesregierung etwa rechnet mit einer Zunahme von 60 Prozent zwischen 2010 und 2050), steht eine Säule der klimafreundlichen Logistik bereits fest:

Größere Effizienz der Transporte

Das gute an dieser Säule: sie setzt sich auch ohne Intervention der Politik durch. Denn Effizienz schafft auf dem hart umkämpften Logistikmarkt immer auch Wettbewerbsvorteile. Schon heute fällt der CO2-Ausstoß eines Lkw im Verhältnis zur transportierten Masse weitaus günstiger aus als beim Pkw. Anders formuliert: jeder Lkw fährt effizienter als ein Pkw. So wichtig Effizienz-Steigerungen für eine klimafreundliche Logistik auch sind, führen sie letztlich jedoch immer auch dazu, das Wachstum noch weiter zu steigern. Gefragt sind daher innovative Ideen, neue Techniken für die Straße.

Innovationen für klimafreundliche Logistik

E-Fuel

Um die Klimaziele zu erreichen, werden Diesel- und Benzin-Motoren in den kommenden Jahrzehnten aus unseren Autos verschwinden müssen. An ihre Stelle könnten klimaneutrale Verbrennungsmotoren treten. Statt Benzin und Diesel würde dann ein synthetischer Kraftstoff verbrannt. Der auch E-Fuel genannte Kraftstoff entnimmt bei der Herstellung so viel Kohlendioxid aus der Atmosphäre wie später bei der Verbrennung freigesetzt wird. Hergestellt wird das E-Fuel aus regenerativ erzeugtem Strom. Das Power-to-Liquid- bzw. Power-to-Gas-Verfahren arbeitet mithin CO2-neutral. Der Nachteil der Technik liegt in den hohen Kosten. Die fallen bei der Herstellung der synthetischen Kraftstoffe derzeit noch rund dreifach höher aus als bei fossilen Brennstoffen.

Oberleitungs-Lkw

Vor allem das Bundesumweltministerium setzt daher auf eine Elektrifizierung der Autobahnen. Oberleitungs-Lkw liefern derzeit die volkswirtschaftlich betrachtet günstigsten Prognosen. Auf den E-Highways würden die Lkw direkt kein CO2 freisetzen. Gelänge es, den Strom komplett regenerativ zu gewinnen, wäre die Bilanz tatsächlich klimaneutral. Nachteil der Oberleitungen wäre allerdings, dass sie den Lkw-Verkehr nur auf bestimmten Strecken ermöglichen. Wirklich sinnvoll werden sie auch nur dann, wenn auch das europäische Ausland mitzieht.

Verlagerung von Transporten von der Straße auf klimafreundlichere Transportmittel

Vergleicht man die Treibhausgasemission (dazu zählt neben CO2 auch CH4 und N2O, die hier jedoch in CO2-Äquivalenten angegeben werden) von Güterbahn und Binnenschiff mit der des Lkw, ist letzterer klar im Nachteil. Während der CO2-Ausstoß der Güterbahn bei 24 Gramm pro Tonnenkilometer (g/tkm) liegt, sind es beim Lkw 101 g/tkm, beim Binnenschiff 31 g/tkm. Der Gedanke liegt daher nahe, möglichst viele Verkehre von der Straße auf Bahn oder Schiff zu verlagern. Das norwegische Chemieunternehmen Yara entwickelt derzeit beispielsweise gemeinsam mit dem Schiffbauer Kongsberg ein E-Containerschiff. Bislang benötigt Yara täglich rund 100 Lkw, um die Produkte der Firma zu den Häfen in Brevik und Larvik zu fahren. Das Elektroschiff soll künftig den Transport der Container (40.000 sind es pro Jahr) übernehmen und so sowohl Staub und Lärm als auch den CO2-Ausstoß senken.

Auch in Deutschland ließe sich durch eine Verlagerung des Verkehrs von der Straße auf Schiene oder Wasser der CO2-Ausstoß senken. Doch schon seit Jahren profitiert vom Transport-Boom vor allem der Straßenverkehr. Selbst der umweltfreundliche Kombinierte Verkehr bleibt (vor allem aus Kostengründen) bislang hinter den Erwartungen und Forderungen zurück.

Eine weitere Möglichkeit für eine klimafreundlichere Logistik bieten Sharing-Konzepte. Sie basieren auf der Idee, dass sich durch moderne Software Verlader gemeinsam Lager- und Transportflächen sowie die dafür notwendige informationelle wie personelle Infrastruktur teilen. Das erscheint sinnvoll und machbar, erfordert von den Beteiligten jedoch in vielen Fällen, mit Konkurrenten direkt zusammenzuarbeiten.

Und genau darin besteht vermutlich auch die größte Herausforderung der klimafreundlichen Logistik: sie erfordert ein Umdenken, das Loslassen liebgewonnener Gewohnheiten. Die Alternative dazu wirkt freilich noch erschreckender. Denn wenn wir weitermachen wie bisher, hilft irgendwann womöglich nur der Verzicht auf Verkehr und Wachstum.