Nachhaltigkeit ist Teil jeder Unternehmensstrategie geworden. Vom Auto bis zur Zahnbürste, von der Windel bis zum Sarg, vom Großprojekt bis zur kleinen Dienstleistung – alles lässt sich besser vermarkten, wenn es sich als nachhaltig (sustainable) darstellen lässt. Da Wertschöpfungsketten notwendigerweise immer auch Lieferketten (Supply Chains) enthalten, muss insbeondere bei Supply Chains hinterfragt werden, wie nachhaltig sie sind. Genau an diesem Punkt setzt das Sustainable Supply Chain Management (SSCM) an. Es sorgt für Nachhaltigkeit in allen Bereichen der Lieferkette und schafft Transparenz darüber, was bisher in Sachen Nachhaltigkeit geleistet wurde und wo noch Optimierungsbedarf besteht.

Die Unternehmensberatung KPMG untersuchte aktuelle Entwicklungen in diesem Bereich, und welche Maßnahmen Unternehmen zu empfehlen sind. Wir haben alle Punkte sowie relevante Nachhaltigskeits-Zertifizierungen für Sie zusammengefasst.

Ziel nachhaltigen Wirtschaftens ist eine Kreislaufwirtschaft, in der Ressourcen geschont werden. READMORE
Ziel nachhaltigen Wirtschaftens ist eine Kreislaufwirtschaft, in der Ressourcen geschont werden. Logan Edmark on Pexels

In diesem Artikel erfahren Sie:

Jenseits des Buzzword-Bingos – warum Supply Chains von Nachhaltigkeit profitieren

Das Problem der Nachhaltigkeit ist, dass sie allgegenwärtig und zugleich nur schwer zu fassen ist. Das macht das Thema anfällig für viel Gerede. Da Kunden und Stakeholder (aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft) von Firmen erwarten, dass sie nachhaltig wirtschaften, gehört Nachhaltigkeit zum modernen Auftritt von Marken einfach dazu. Unternehmen bringt das in einen doppelten Zwang: sie müssen sich a) als nachhaltig wirtschaftend darstellen und b) glaubhaft machen, dass diese Darstellung mehr ist als nur das Bedienen eines weiteren Marketinghebels.

Da Nachhaltigkeit jedoch weder Produkten noch Lieferketten anzusehen ist, bleibt Unternehmen gar nichts anderes übrig, als auf ihre Nachhaltigkeitsstrategie durch Berichte und PR-Kampagnen aufmerksam zu machen. Das dabei entstehende Getrommel überdeckt nur allzu leicht die Potenziale, die sich tatsächlich hinter dem Konzept der Nachhaltigkeit verbergen. Denn die nachhaltige Ausrichtung von Unternehmen (und Supply Chains) ist nicht nur ein Gewinn für die Gesellschaft, sondern auch für Unternehmen. Gerade im Supply Chain Management leistet Nachhaltig viel. Sie ...

Nachhaltigkeit – ein Begriff macht Karriere

Der Mega-Trend Nachhaltigkeit verdankt seine Karriere zwei wesentlichen Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte:

  1. Den weltweit wachsenden Umweltproblemen
  2. Der Globalisierung der Märkte

Aus beiden Positionen ergab sich ein verändertes Bewusstsein für den Umgang mit Ressourcen und Menschen. So lernten Verbraucher, dass sie mit ihrem Konsum zumindest indirekt mitverantwortlich sind für den Klimawandel oder auch für einzelne Umweltkatastrophen wie etwa der 1989 durch den Tanker Exxon Valdez ausgelösten Ölpest in Alaska.

Dass sich Nachhaltigkeit jedoch nicht nur auf das Thema Ökologie beschränkt, musste beispielsweise Apple im Fall des Zulieferers FOXCONN lernen. Nachdem bekannt wurde, dass etliche Arbeiter des Zulieferers aufgrund der schlechten Arbeitsbedingungen Selbstmord begangen hatten, wuchs auch der Druck auf Apple. Dem IT-Unternehmen wurde vorgeworfen, seine Zulieferer nicht ausreichend zu überwachen. Apple muss reagiert haben. Zumindest erhöhte FOXCONN schließlich die Gehälter und stellte Psychologen ein.

Die 3 Dimensionen des Sustainable Supply Chain Managements

Die Beispiele lehren: Nachhaltigkeit erstreckt sich über die gesamte Supply Chain und erfasst nicht nur ökologische Faktoren, sondern ist immer auch zu erweitern um ökonomische und soziale Dimensionen. Nachhaltigkeit im SSCM umfasst damit diese drei Dimensionen:

  1. Ökologie
  2. Ökonomie
  3. Soziales

Sie ergänzen die klassischen Aufgaben des Supply Chain Managements der Planung, Leitung und Kontrolle der Abläufe von Lieferketten. Wie für die klassischen Aufgaben gilt auch für die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit, dass sie alle in der Unternehmensstrategie berücksichtigt werden müssen. Wird eine Dimension ausgelassen, drohen Imageverlust oder Boykotte. Zugleich erhöht die Einhaltung dieser drei Dimensionen meist auch die Wirtschaftlichkeit von Unternehmen. Ein Beispiel dafür ist die Transportmittelauslastung. Sie ist sowohl aus ökologischer wie ökonomischer Sicht nachhaltig.

Instrumente der Umsetzung eines nachhaltigen Supply Chain Managements

Die Unternehmensberatung KPMG schlägt vor Nachhaltigkeit im Supply Chain Management in jeweils vier Schritten umzusetzen:

  1. Wesentlichkeitsanalyse – ausgehend von der Analyse der Ist-Situation wird festgelegt, welche Anforderungen von Stakeholdern an den Betrieb herangetragen werden. In diesem ersten Schritt werden also die Ziele definiert, die im SSCM erreicht werden sollen.
  2. Nachhaltigkeitsstrategie – die Risiken und Chancen nachhaltigen Wirtschaftens werden abgewogen, um daraus eine Nachhaltigkeitsstrategie zu entwickeln
  3. Berichterstattung – Grundlage dafür sollte eine Definition der Kommunikationsstrategie sein (was wird wann, wie und wie oft veröffentlicht). Auf dieser Basis können dann die Nachhaltigkeitsstrategie sowie die durchgeführten Maßnahmen offengelegt sowie Verbesserungen, an denen noch gearbeitet wird, aufgezeigt werden. Einen festen Standard für die Nachhaltigkeitsberichterstattung gibt es derzeit noch nicht. Die KPMG empfiehlt daher sich an die Standards des Leitfadens zur Nachhaltigkeitsberichterstattung der Global Reporting Initiative (GRI) zu halten. Darin aufgelistet sind Leistungsindikatoren der 3 Dimensionen der Nachhaltigkeit, die in Nachhaltigkeitsberichten Punkt für Punkt angesprochen werden sollten.
  4. Durchführung der Maßnahmen sowie deren Monitoring

Deutsche Betriebe sind vergleichsweise berichtsfaul

Gerade beim letzten Punkt, der Berichterstattung, hinken kleinere Unternehmen in Deutschland der Entwicklung hinterher. Während in Frankreich 94 Prozent aller Unternehmen Nachhaltigkeitsberichte veröffentlichen, in Japan sogar 99 Prozent und in Großbritannien stolze 100 Prozent sind es hierzulande lediglich 62 Prozent. Davon ausgenommen sind Deutschlands aktiennotierte Unternehmen. Deren Veröffentlichungsquote liegt bei 80 Prozent.

Betrachtet man die Vorteile des nachhaltigen Supply Chain Management sind die Quoten auf Deutschland bezogen sicher zu niedrig. Zumal sich mittel- bis langfristig kein Unternehmen mehr dem Nachweis nachhaltigen Wirtschaftens wird entziehen können. Das gilt erst recht für alle, die als Beteiligte einer Lieferkette ihr Geld verdienen.

Mit der digitalen Spedition Frachtraum verbessern Sie die Nachhaltigkeit von Lieferketten. Wir helfen Ihnen dabei, Leerkilometer zu vermeiden, achten auf die Einhaltung sozialer Standards und sichern durch unsere digitalen Angebote auch die ökonomische Perspektiven von Frachtführern und verladenden Unternehmen. Weitere Infos unter per E-Mail.