LKW-Fahrer in Deutschland brauchen gute Nerven – und genau die hat Sascha nicht. Sein Pech. Unser Spaß. Denn Sascha zeichnet die Niederlagen, die er im Kampf mit seinen Nerven tagtäglich auf Deutschlands Straßen erleidet, mit einer Kamera auf und stellt das Ergebnis in einer Art Truck-Doku-Soap online auf YouTube. Im Wochentakt ist "Der tägliche Wahnsinn auf Deutschlands Straßen" auf Saschas YouTube-Kanal Fahrnünftig zu begutachten. Bremser, Raser, Unwetter und Staus oder völlig übermüdete LKW-Fahrer, die von der Polizei von überfüllten Parkplätzen gescheucht werden – alles, was Deutschlands Straßen an Irrationalem oder schlicht nicht zu Fassendem zu bieten haben, gerät früher oder später vor Saschas Linse.

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In der Erziehung höherer Töchter dürfte Saschas bevorzugte Wortwahl keine Verwendung finden: Wenn der LKW-Fahrer, der seine wahre Identität geheim hält, über das Geschehen vor, neben oder hinter ihm ätzt und poltert und sich all seinen LKW-Fahrer-Frust aus der Seele kläfft, fahren Eltern jüngerer Kinder instinktiv die Hände aus, um die Öhrchen der lieben Kleinen fest zu verschließen.

Sätze, die wohl jeder LKW-Fahrer unterstreicht: "Ihr seid alle geistesgestört! Alle Mann! Alle Mann!"

Saschas Kommentare wirken dennoch nie wirklich vulgär. Sie haben vielmehr etwas Lausbubenhaftes an sich – und das macht ihren Charme aus. Sofern die These stimmt, dass sich gesund hält, wer nichts in sich hineinfrisst, muss man sich um die Gesundheit dieses kernigen LKW-Fahrers keine Sorgen machen. Gefährlich lebt der Mann dennoch. Das liegt weniger an ihm (obwohl auch Sascha durchaus eigene Fehler beim LKW-Fahren zugibt) als an all den Verrückten, die auf der Autobahn rechts auf der Standspur überholen (ein wiederkehrender Klassiker in dieser Trucker-Doku-Soap) oder den nicht minder "Bekloppten", denen ausgerechnet auf dem Beschleunigungsstreifen einfällt, dass sie jetzt mal etwas Sprit sparen könnten und daher gemütlich auf die Autobahn schleichen.

An Saschas Seite lernen auch ganz normale Pkw-Fahrer, was solch ein Verhalten bei einem gestandenen LKW-Fahrer bewirkt: _"??!!!grrr!!aargggf"_. Der Grund für den Gemütsausbruch: In Saschas Truck ist der seit 2013 vorgeschriebene Abstandstempomat eingebaut und der bremst seinen 420 PS schweren Gliederzug, einen Mercedes Actros (MP4) verlässlich ab, sobald ein Fahrzeug zu dicht vor ihm auftaucht. Das passiert besonders gerne dann, wenn der LKW-Fahrer seinen Truck mit frischem Schub energiesparend auf eine Anhöhe bringen möchte.

Ganz nebenbei erfüllt der filmende LKW-Fahrer so auch den vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen viel beschworenen (und bei ARD und ZDF nur noch selten ernst genommenen) Bildungsauftrag und bringt auf erfrischend natürliche Weise nahe, was es bedeutet, heutzutage LKW-Fahrer zu sein. Dafür hat er sogar einige FAQ-Videos produziert, in denen er beispielsweise erklärt, wie das mit dem verschleißfreien Bremsen funktioniert und welche Instrumente im Cockpit ihn unterstützen. Verlader oder Spediteure, die selbst nie einen LKW gefahren sind, können sich ganz nebenbei einen Eindruck von der Arbeitswelt der LKW-Fahrer verschaffen und so deren Probleme und auch Wünsche besser verstehen.

Hauptberuf: LKW-Fahrer, Ambition: YouTube-Star

Laut eigener Aussage hatte Sascha ursprünglich gar nicht vor, durch YouTube bekannt zu werden. Als der gelernte Handwerker Probleme hatte, in seinem Lernberuf Arbeit zu finden, machte er auf eigene Faust und Rechnung den LKW-Führerschein. Seit 2005 ist LKW-Fahrer sein Beruf. Zumeist fährt er im Fernverkehr kreuz und quer durch Deutschland; drei Jahre lang war er aber auch als Müllfahrer unterwegs. Auf die Idee mit den Videos kam er, um sich später selbst einmal daran erinnern zu können, wie das so war – sein Leben als LKW-Fahrer. Die ersten Videos drehte er noch mit dem Handy, das er für die Aufnahmen an seiner Frontscheibe befestigte. Auf YouTube stellte er die Videos dann eigentlich nur, weil ihm das eine sichere Art der Archivierung zu sein schien.

Recht bald stellte er fest, dass nicht nur er und seine Freunde sich die Filme gerne ansahen. Er hatte bald mehrere Hundert Abonnenten ("Ich musste erst einmal nachschauen, was das überhaupt ist – ein Abonnent"). Der LKW-Fahrer kaufte sich eine Dashcam und installierte sie fest auf der Beifahrerseite seines Trucks. Er selbst will sein Gesicht nicht zeigen und verspürt offenbar wenig Neigung dazu, selbst zum Promi zu werden. Die Videos des LKW-Fahrers erfreuen sich so oder so wachsender Beliebtheit. Manche Teile der Doku-Soap wurden schon über 60.000-mal angeklickt. In Kürze dürfte der LKW-Fahrer 40.000 Abonnenten verzeichnen. Das ist zwar noch weit entfernt von den Lifestyle-YouTube-Stars wie Sami Slimani oder Dagi Bee, die mehrere Millionen Abonnenten zählen – dafür ist der Kanal des LKW-Fahrers ungleich unterhaltsamer und unzweifelhaft viel dichter am Leben.

Eine Faustformel besagt, dass YouTuber rund 1 Euro pro 1000 Klicks verdienen – die Zahlen sind jedoch mit Vorsicht zu genießen, da die Werbeeinnahmen bei YouTube einerseits schwanken, andererseits nur Klicks vergütet werden, wenn vor dem eigentlichen Video Werbung angesehen wird. Im besten Fall verdient Sascha derzeit rund 60 Euro mit einem Video. Als Fan der Serie ist man geneigt zu sagen: Gut so! So ist sichergestellt, dass der gute Mann noch einige Zeit weiter als LKW-Fahrer arbeiten und uns amüsieren wird.

Frachtraum sucht durchgehend nach verlässlichen LKW-Fahrern (geschimpft werden darf natürlich auch). Mehr Infos dazu gibt es auf unserer Seite für Frachtführer.