Der Chef des US-Elektroautobauers Tesla, Elon Musk, ist sich sicher: Schon in naher Zukunft werden Autos ganz ohne Lenkrad ausgeliefert. Spätestens ab 2030 sollen Lenkräder bestenfalls nostalgisches Extra im Inneren unserer Fahrzeuge sein. Fährt der Wagen selbst, so die Vision, wird das Lenkrad schlicht überflüssig. Was Musk unterschwellig damit auch sagt: Wer in ein selbstfahrendes Auto steigt, soll gar nicht erst auf den Gedanken gebracht werden, er könnte so ein High-Tech-Gefährt noch selbst steuern.

Future Cockpit READMORE "Future Cockpit" by Artyom Schetnikov is licensed under CC BY 2.0

Angesichts der verbauten Technik ist dieser Gedanke vermutlich nicht ganz verkehrt. Schon heute sind viele Armaturenbretter und Cockpits vollgestopft mit einer Vielzahl von Signalgebern. Alles, was blinken und mit Tönen auf sich aufmerksam machen kann, kann den Fahrer jedoch auch vom Straßenverkehr ablenken. Dennoch wird das Lenkrad sicher nicht von heute auf morgen abgeschafft. Bislang dürfen selbstfahrende Fahrzeuge schließlich nur auf ausgesuchten Autobahnstrecken fahren. Im sogenannten Querverkehr auf Landstraßen und in der Stadt werden Fahrer aus rechtlichen wie technischen Gründen auf absehbare Zeit weiterhin die Hände am Steuer behalten. Zumindest für eine Übergangszeit sind daher neue Konzepte fürs Lenkrad gefragt.

Das Lenkrad wird zur Bedienoberfläche

Eines dieser Konzepte stammt von Autoliv, einem schwedisch-amerikanischen Hersteller automobiler Sicherheitssysteme. Das zForce genannte Lenkrad gleicht auf den ersten Blick dem gewohnten Bild. zForce räumt jedoch mit dem Durcheinander im Cockpit gründlich auf. Alle Signale und Bedienknöpfe sind direkt über das Lenkrad sicht- bzw. aktivierbar. Möglich machen das die im Lenkradkranz eingelassenen Infrarotsensoren. Sie erkennen, wo genau sich die Finger des Fahrers auf dem Lenkrad befinden.

Erhält der Fahrer einen Anruf, wechselt das Lenkrad an zwei Stellen die Farbe. Will der Fahrer das Gespräch annehmen, wischt er über Grün, will er es ablehnen, bewegt er den Finger auf Rot. Über zusätzlich im Lenkrad eingelassene Touchscreens können Funktionen gewechselt werden – etwa vom Radio zum Navigationssystem. Das System wäre auch für selbstfahrende LKW auf Autobahnen hochinteressant. Entscheidet der Fahrassistent, dass der Fahrer wieder Kontrolle über den LKW übernehmen soll, kann das ganz einfach per Farbsignal dem Fahrer kommuniziert werden.

Das Lenkrad wird durch Head-up-Displays oder Hologramme ergänzt

Als Head-up-Displays werden Anzeigesysteme verstanden, die es ermöglichen die Blickrichtung beizubehalten und gleichzeitig Informationen von Assistenzsystemen zu erhalten, die ins Sichtfeld projiziert werden. Solche Head-up-Displays verwenden etwa Piloten in Kampfflugzeugen schon seit Jahrzehnten. Im Automobilbau hält die Technik erst seit wenigen Jahren Einzug. Noch immer findet sie sich vorzugsweise in Oberklasse-Fahrzeugen. Die Informationen werden dabei entweder auf die Frontscheibe projiziert oder auf eine kleine, durchsichtige Scheibe aus Kunststoff davor. Der Vorteil der Head-up-Displays: Sie halten den Blick des Fahrers stets auf der Straße.

Wie diese Head-up-Displays künftig gesteuert werden könnten, zeigt eine Studie von BMW, die auf der CES 2017 vorgestellt wurde. Das "HoloActive Touch" getaufte System projiziert die Hologramme von Bedienoberflächen ins Cockpit. Die Hologramme können tatsächlich spürbar gedrückt werden, sodass die damit verbundene Funktion quasi durch "Luftdrücken" ausgelöst wird. Möglich wird das durch die Verbindung zweier Techniken. Zum einen registrieren Kameras die genaue Position der Finger und ermöglichen so die Gestensteuerung. Dass der Nutzer das Gefühl hat, tatsächlich eine Taste zu drücken, liegt an der zusätzlichen Verwendung von Ultraschallwellen. Diese werden von entsprechenden Lautsprechern ausgesendet und an den Fingerspitzen so gebündelt, dass ein leichter Gegendruck entsteht. Von Bosch gibt es ähnliche Studien, die allerdings nur Gestensteuerung einsetzen, sodass durch Wischbewegungen etwa Anrufe angenommen werden können.

Und wie steht es um das LKW-Lenkrad der Zukunft?

Ob Mercedes Benz, DAF, MAN, Volvo oder Scania – betrachtet man die Lkw-Zukunftsstudien der Zugmaschinen-Anbieter, muten manche Zukunfts-LKW geradezu klassisch und unspektakulär an, während andere auf schnittig-futuristisches Design setzen. Allen Konzepten gleich ist, dass sie weiterhin auf den Fahrer und damit auch weiterhin auf Lenkräder setzen. Die Studien umwerben die Fahrer sogar mit mehr Komfort und Luxus. Spüle, Dusche, Fernseher und Klappbett – in den LKWs der Zukunft sollen es die Fahrer bequem haben. Der Hintergrund dieser Fürsorge: Schon heute fehlen gut ausgebildete LKW-Fahrer. Alle Prognosen gehen davon aus, dass sie trotz selbstfahrender Fahrzeuge auch weiterhin stark nachgefragt sein werden. Bei einem genaueren Blick in die Zukunftsstudie Future Truck 2015 von Mercedes Benz wird deutlich, warum das so ist.

Auch in dieser Studie sitzt der Fahrer nach wie vor hinter dem Steuer. Allerdings ist das Lenkrad während der Fahrt auf der Autobahn nur ein Requisit am Rande. Beschäftigt ist der Fahrer nicht mehr mit Lenkbewegungen, sondern mit der Planung und Verwaltung seiner Frachttour. Er kann auch schon den Parkplatz für die nächste Pause reservieren oder ein Gespräch mit der Spedition führen, um Folgeaufträge abzuklären. Das Cockpit wird – das ist typisch für all diese Visionen – zum fahrenden Büro. An dieser Stelle wird auch deutlich, warum die LKW-Bauer es Arbeitskräften möglichst schmackhaft machen möchten, in ihre Zukunfts-Trucks zu steigen. Der LKW-Fahrer der Zukunft wird nicht nur seine Maschine im Blick haben müssen, sondern auch Kenntnisse als Logistikkaufmann bzw. -kauffrau benötigen.

Währende der Logistik-Kaufmann-Trucker seinen Bürokram im rollenden Büro erledigt, übernimmt das automatische Fahrsystem das Lenken. Dieser Autopilot kommuniziert per Datenaustausch mit den anderen Fahrzeugsystemen um sich herum. So könnte ein vorübergehendes Platooning mit anderen LKW hergestellt werden, so dass alle dicht an dicht in einer Kolonne fahren. Sie sparen so Energie, benötigen insgesamt weniger Platz auf der Autobahn und bremsen sich nicht permanent gegenseitig aus – sondern fahren zügig in konstanter Geschwindigkeit. Auch Kranken- und Einsatzwagen, die ihr Kommen sozusagen "anmelden", könnte so rechtzeitig Platz gemacht werden.

Ans Steuer greift der Fahrer erst wieder, wenn der Lkw die Autobahn verlässt. Denn während der Längsverkehr ("immer geradeaus") auf der Autobahn von Maschinen schon heute beherrscht wird, wirft der Querverkehr auf Landstraßen und in der Stadt noch immer technische und rechtliche Probleme auf. Auch im LKW der (absehbaren) Zukunft hat das Lenkrad also seinen festen Platz und das nicht nur zu dekorativen Zwecken. Ob es auch im LKW künftig mit Hologrammen arbeiten wird? Machbar ist es jedenfalls.