Sage und schreibe 151 Millionen LKW-Leerfahrten gab es 2016 auf Deutschlands Straßen. Die Zahl der so zustande gekommenen Leerkilometer summiert sich gar auf 6, 5 Milliarden. In Deutschland lag der Anteil der Leerfahrten am gesamten LKW-Verkehr damit bei rund 58,5 Prozent, der Anteil an Leerkilometern immerhin noch bei rund 23 Prozent. Der Blick auf den langjährigen Trend zeigt, dass die Zahl der Leerkilometer zwar Ende der 90er zurückging; seit 2008/09 steigt deren Anteil jedoch wieder an.

Der wichtigste Grund dafür ist das stetig anwachsende Güterverkehrsvolumen, das zum größten Teil vom LKW-Verkehr getragen wird. Nur noch acht Prozent der Gütertonnage werden auf der Schiene transportiert. Etwa 80 Prozent der Güter (rund drei Milliarden Tonnen) rollen jährlich auf Lkws über deutsche Straßen.

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Was kommt nach der Auslieferung? Neue Fracht oder wieder eine Leerfahrt? (Photo by Nigel Tadyanehondo via Unsplash)

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Wie Leerfahrten entstehen – asymmetrische Güterströme

Leerfahrten sind eine natürliche Folge von Güterströmen, die sich aufgrund wechselnder und ungleich verteilter Nachfragen ergeben. Waren werden in aller Regel zu Lager- oder Umschlagspunkten geliefert, an denen es keine Möglichkeit gibt, den LKW mit einer Rückbefrachtung zu versehen. Anders formuliert: der Empfänger der Hinfracht wird nur selten zum Absender der Rückfracht. Der LKW muss daher erst eine bestimmte Strecke leer fahren, um erneut Fracht zu laden.

Wer Netzwerkeffekte nutzen kann, minimiert Leerfahrten

Bei bestimmten Produkten und Dienstleistungen hängt ihr Nutzen von der Anzahl der Konsumenten ab. Ein einfaches Beispiel dafür ist das Telefon. Je mehr Menschen über ein Telefon verfügen und über das gleiche Netzwerk erreichbar sind, desto höher ist der Produktnutzen. Auf solche Netzwerkeffekte bauen auch Transportnetzwerke (wie etwa das der digitalen Spedition Frachtraum). Je größer ein Transportunternehmen ist, je mehr LKW, Frachtführer und Verlader am Transportnetzwerk beteiligt sind, desto besser stehen die Chancen, Leerfahrten zu vermeiden oder zumindest Fahrten ohne Fracht stark zu verkürzen.

Um das besser zu verstehen, hilft es, sich das Prinzip der logistischen Quellen und Senken zu vergegenwärtigen. Logistische Quellen sind Orte oder Regionen, an denen mehr Transporte starten als enden; Senken sind Orte, an denen mehr Transporte münden als beginnen. Stehen jeweils nur wenige Quellen und Senken miteinander in Verbindung (etwa, weil sie zu weit voneinander entfernt liegen), fehlt es schlicht an Möglichkeiten, das Ungleichgewicht zwischen Quellen und Senken auszugleichen. Leerfahrten mit vielen Leerkilometern sind die Folge.

Liegen Quellen und Senken dagegen eng beieinander, gibt es entsprechend auch mehr Lade- bzw. Entlademöglichkeiten. Der Leerfahrtenanteil lässt sich durch diesen Netzwerkeffekt daher wirkungsvoll reduzieren. Diese Überlegungen verdeutlichen auch, weshalb die hohe Anzahl an kleinen Transportunternehmen in Deutschland (mit zumeist weniger als 10 Fahrzeugen) zu vielen Leerfahrten führt.

Größere Unternehmen haben nicht nur mehr LKW auf den Straßen, sie haben auch mehr Kunden und damit automatisch auch mehr Quellen und Senken, die zur Vermeidung von Leerfahrten genutzt werden können. Gerade für kleine und mittelständische Transportunternehmen lohnt sich daher der Anschluss an Transportnetzwerke wie Frachtraum besonders. Durch das Netzwerk kommen sie in den Genuss von Netzwerkeffekten (sowie Mengeneffekten), die sonst nur den ganz Großen der Branche vorbehalten blieben. Mit Hilfe der Plattform der digitalen Spedition Frachtraum können daher auch die KMUs der Straßenlogistik die Zahl ihrer Leerfahrten effektiv minimieren.

Kabotage zur Vermeidung von Leerfahrten

Als Kabotage werden Transportdienstleistungen innerhalb eines Landes verstanden, die von ausländischen Verkehrsunternehmen erbracht werden. Einheimische Frachtführer und Transportunternehmer betrachten das Thema Kabotage meist nur unter dem Blickwinkel unerwünschter (und durch niedrigere Löhne meist auch günstigerer) Konkurrenz. Für die EU-Kommission ist Kabotage dagegen eine Möglichkeit, die Zahl der Leerfahrten zu minimieren. Die EU-Behörde zielt dabei natürlich nur auf die legale Kabotage. Der gerade in Deutschland kritisierte, illegale Kabotage-Schwarzmarkt (vorzugsweise mit Sprinter-Fahrzeugen) ist nicht gemeint.

Erlaubt sind Kabotage-Fahrten gemäß EU-Verordnung Nr. 1072/2009 Artikel 8, Absatz 2 beispielsweise dann, wenn im Zuge eines grenzüberschreitenden Transports innerhalb des EU-Mitgliedstaats noch drei weitere Kabotagebeförderungen innerhalb von sieben Tagen durchgeführt werden. Bezogen auf das Thema Leerfahrten ist diese Regelung sicherlich sinnvoll. Schließlich kann auf diese Weise die Rückfahrt genutzt werden, um weitere Fracht(en) zu transportieren.

Die Probleme der Kabotage liegen im Detail. Zum einen müssen Frachtführer bei Überprüfungen stets vorweisen können, dass Ihre Kabotage-Fahrt auch erlaubt ist. Bei Verstößen werden Strafzahlungen fällig. So verhängte das Bundesamt für Güterverkehr (BAG) allein 2015 Bußgelder in Höhe von 650.000 Euro. Mitunter reicht es dafür aus, dass beim Transport eine Ladung aus mehreren Frachten besteht. Beispiel: Lädt ein LKW nach der Auslieferung der Güter im Zielland auf dem Rückweg drei Frachten, die jedoch nach einer Teilstrecke wieder entladen werden, darf er keine weiteren Frachten mehr transportieren. Der Rückweg müsste dann komplett als Leerfahrt durchgeführt werden.

Zum anderen kommen zahlreiche länderspezifische Regelungen hinzu. So muss etwa in Deutschland der hier geltende Mindestlohn gezahlt werden (so auch in Frankreich, Norwegen und Österreich). In Frankreich, Belgien sowie seit Sommer 2017 auch in Deutschland darf die Wochenruhezeit nicht im LKW verbracht werden. Viele Auftraggeber scheuen daher davor zurück Kabotage-Fahrten zu beauftragen. Für die Reduzierung von Leerfahrten innerhalb der EU wäre daher eine Angleichung der Richtlinien und Sozialvorschriften sinnvoll. Nicht zuletzt würde davon schließlich auch die Umwelt profitieren.

Bessere Daten, weniger Leerfahrten

Die Digitalisierung bietet die derzeit wohl größte Chance, Leerfahrten zu minimieren. Wer Logistikdaten kontrolliert, schafft damit nicht nur eine bessere Vernetzung von Frachtführern und Verladern, sondern erhält zugleich ein wirkungsvolles Instrument, mit dem detailliert alle wichtigen Logistik-Schritte gesteuert werden können. Digitales Tracking & Tracing etwa ermöglicht das Erheben von Echtzeitinformationen über Ankunftszeiten, Ladekapazitäten, Verspätungen und ähnliches. Selbst kurzfristig freiwerdende Kapazitäten können so online angeboten und ebenso kurzfristig gebucht werden.

Die oben beschriebenen Quellen und Senken rücken – bildlich gesprochen – durch den Datenfluss in Echtzeit noch enger zusammen. Die digitale Spedition Frachtraum verdichtet also das Netzwerk zwischen Frachtführern und Verladern. Mit Frachtraum intensivieren Sie daher die Netzwerk- und Mengeneffekte und verringern effektiv die Zahl der Leerkilometer.