Auf der Straße ist der LKW nicht zu schlagen. Sobald es jedoch um den Transport in Lagerhallen und auf Firmengeländen geht, übernehmen fast immer Gabelstapler und andere Flurförderfahrzeuge die Hoheit über den Transport. Gerade beim Ein- und Auslagern sind die wendigen Nutzfahrzeuge unverzichtbar. Wie in allen Bereichen der Logistik zeichnen sich auch bei den Leistungsträgern des Indoor-Transports weitreichende Änderungen ab. Treiber des Wandels ist einmal mehr die Digitalisierung. Sie fördert und fordert gleichermaßen den Trend zur Vernetzung und zentralen Steuerung aller Glieder in der Supply-Chain.

Driving a forklift READMORE "Driving a forklift" by Mark Eslick is licensed under CC BY 2.0

Automatisierung ist in der Intralogistik derzeit eines der zentralen Themen. Allerdings: Durch viele Produktionshallen fahren längst fahrerlose Transportsysteme (FTS). Automatisierung im Bereich der Flurförderfahrzeuge ist fast schon ein alter Hut: Der erste fahrerlose Schlepper, der induktiv geführt einer Spur auf dem Boden folgen konnte, wurde bereits 1953 von der US-Firma Barrett Vehicle Systems entwickelt. Und schon 1974 kam bei Volvo das erste FTS zum Einsatz. Der eigentliche Kern der Veränderung im Rahmen der Intralogistik 4.0 ist daher auch nicht Automatisierung, sondern die Integration der Flurförderfahrzeuge in den betrieblichen Datenfluss.

Der klassische, vom Menschen geführte Gabelstapler ist aller Voraussicht nach nicht vom Aussterben bedroht. Eng wird es für Flurförderfahrzeuge ohne Datenbankanbindung. Sie dürften bald nur noch in kleineren Betrieben zum Einsatz kommen. Gleichwohl profitiert man selbst dort von der Vernetzung der Flurförderfahrzeuge - zumal sich entsprechende Systeme mittlerweile auch nachrüsten lassen.

Digitales Flottenmanagement für Gabelstapler

Das Prinzip des digitalen Flottenmanagements ähnelt sich weitgehend bei allen Anbietern, sei es "connect:" von Linde, "InfoLink" von Crown oder "ISM Online" von Jungheinrich. In die Flurförderfahrzeuge wird jeweils eine Dateneinheit verbaut, die einerseits Daten am Fahrzeug erfasst und andererseits mobil (via Bluetooth oder GPRS) mit der Leitsteuerung kommuniziert. So können die Stapler sowohl Daten empfangen als auch Daten ausführen, sprich: sie können gesteuert werden. Die meisten dieser Systeme lassen sich herstellerunabhängig in unterschiedliche Gabelstapler-Typen einbauen.

Um solch einen umgerüsteten Stapler zu bedienen, loggen sich die Fahrer zuerst in das System ein. Die Zugangssteuerung schafft mehr Sicherheit. Unbefugten (etwa ohne gültigen Staplerführerschein) wird es dadurch wesentlich erschwert, sich "eben mal schnell" eines Staplers zu bemächtigen. Zugleich hilft die Zugangssteuerung, zu ermitteln, wie ausgelastet die Flotte jeweils ist. Durch das Erfassen weiterer Kenndaten (zurückgelegte Strecken, Hubleistung etc.) lassen sich viele Arbeitsabläufe optimieren, die Produktivität erhöhen und Kosten einsparen.

So liefert das digitale Flottenmanagement etwa Daten über den Energieverbrauch. Auf einen Blick kann entschieden werden, wann welches Fahrzeug betankt bzw. aufgeladen werden muss und wann welche Stapler zur freien Verfügung stehen. Auch das für die boomenden Elektrostapler so wichtige Thema Batteriemanagement wird durch das digitale Flottenmanagement optimiert. Fehlerhafte Ladungen schaden der Lebensdauer einer Batterie. Die Systeme erkennen und vermeiden solche Fehler.

Ein weiterer Vorteil ist die zentrale Sammlung aller relevanten Daten an einem Ort. Die Systeme können eigenständig Wartungen melden und dokumentieren Schäden, die durch Unfälle und Kollisionen zustande kamen. Da sich auch die Fahrer über das System anmelden, ist auch ihr Einsatz besser zu planen. Stehen Nachschulungen an, werden sie vom System daran erinnert, etwa per automatischem E-Mail-Versand.

Da alle Daten zu den Gabelstaplern und Flurförderfahrzeugen in einem System zusammengefasst sind, können sich Entscheider Berichte über Auslastung und Produktivität in Form kompakter Berichte zusammenstellen lassen. Fast schon selbstverständlich: Die Konfiguration des Flottenmanagements erfolgt angepasst an die individuellen Bedürfnisse des jeweiligen Betriebs. Da der Datenaustausch über das Internet stattfindet, ist auch eine globale Vernetzung unterschiedlicher Standorte möglich. Die Anbieter werben damit, den Bestand einer Flotte um bis zu 30% reduzieren zu können.

Zukunft der Stapler und Flurförderfahrzeuge

In der Montage sowie in Lagern werden sich aller Voraussicht nach die führerlosen Transportsysteme durchsetzen. Bereits heute lösen sich Firmen vom Standard der Produktion im Takt und vom Band. Um flexibler zu produzieren und mehr Modelle in unterschiedlichsten Varianten herzustellen, muss das sprichwörtliche Chaos in die Produktionshallen ziehen. Möglich wird das, indem Behälter zugleich Fahrzeuge sind und selbsttätig entscheiden, wann sie welche Funktion ausführen. Prototypen solcher Alleskönner werden vom Fraunhofer Institut für Materialfluss und Logistik gegenwärtig entwickelt.

Das "Chaos" der Fertigung wird von den Algorithmen selbstlernender Maschinen beherrscht und gesteuert. Die Software, die das leistet, wird damit zum essentiellen Werkstoff der Intralogistik. Damit auch der Mensch von diesem Chaos nicht überfordert ist, werden immer mehr Stapler und Flurförderfahrzeuge lernen, auf Gesten und Befehle zu achten. Diese sensitive Technik wird gerade beim Ein- und Ausladen die Fehlerquoten senken, die Präzision erhöhen und so die Kommissionierleistung steigern.

Beim Antrieb zeichnet sich ab, dass der Elektrostapler den Dieselstapler von Platz eins der meistverkauften Stapler verdrängen wird. Galten die E-Stapler vor einigen Jahren noch als leistungsschwach, stehen sie ihren Kollegen mit Verbrennungsmotor in kaum etwas nach. Mit welcher Batterie sie fahren werden, ist noch nicht abzusehen. Aus wirtschaftlicher Sicht bietet sich die Lithium-Ionen-Batterie an, da bei ihr Batteriewechsel und Wartung entfallen. Dieser Typ trifft jedoch auf Sicherheitsvorbehalte. Zudem sind die Anschaffungskosten hoch und das Angebot noch zu klein. Die Blei-Säure-Batterie gilt gerade bei kleinen und mittleren Umschlagshäufigkeiten als wesentlich wirtschaftlicher. Allerdings arbeiten viele Hersteller bereits daran, genau das zu ändern.