Die Digitalisierung ist längst in den Lkws angekommen - davon geht auch die renommierte Unternehmensberatung PwC aus. Das Truckerleben von heute hat nur noch wenig gemeinsam mit dem einst in Liedern besungenen Freiheitsgefühl früherer Tage. Etliche Assistenzsysteme nehmen dem Fahrer mittlerweile Entscheidungen ab, vermeiden dadurch aber auch Unfälle und gehen schonender mit Ressourcen um. Die Systeme regeln etwa den Abstand zum Vordermann, bremsen in kritischen Situationen und senken durch angepasste Fahrweisen den Kraftstoffverbrauch.

Die weitere Entwicklung der digitalen Assistenten ist bereits auf dem Weg: ihre Vernetzung. Daten aus dem Lkw werden beispielsweise mit Daten aus dem Serviceverlauf des Fahrzeugs und aktuellen Witterungs- sowie Verkehrsbedingungen abgeglichen. Dadurch lassen sich Serviceintervalle an den realen Bedarf anpassen und Ausfälle vermeiden. Auch können individuell geplante Ladeverkehre zentral (im Abgleich mit anderen Transporten) gesteuert werden. Der Effekt: durch das vernetzte Verkehrsaufkommen werden Staus vermieden, die Transportkapazität auf der Straße wird erhöht und auf die Bedürfnisse von Kunden kann individueller eingegangen werden.

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Der digitale Lkw verspricht Effizienzgewinne. Joey Kyber on Unsplash

Der digitale Lkw wird so zur intelligenten Maschine, die hilft, Kosten zu reduzieren und die Effizienz der Logistik zu steigern.

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Der digitale Lkw bietet enorme Einsparpotenziale

In einer 2016 veröffentlichten Studie hat die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) errechnet, dass sich die Betriebskosten für einen durchschnittlichen Fernverkehr-Lkw bis 2020 um 5 Prozent, bis 2025 um 15 Prozent und bis 2030 sogar um bis zu 28 Prozent senken lassen, wenn konsequent auf digitale Lkw gesetzt wird.

Das größte Einsparpotenzial sieht die Studie durch Effekte, die mittels Vernetzung und Automatisierung zu erreichen sind. So erbrächte das digital organisierte Kolonnenfahren ("Platooning") eine Betriebskosteneinsparung von bis zu 8 Prozent pro Jahr und Lkw. Das Fahren in der Kolonne spart Kraftstoff und ist zudem sicherer. Menschen benötigen meist etwas mehr als eine Sekunde, um auf kritische Situationen zu reagieren, digitale Assistenten lösen innerhalb von 0,1 Sekunden Notfall-Handlungen aus.

Der Einzelposten, an dem sich am meisten sparen lässt, sind die Lohnkosten für Fahrer. Sie liegen derzeit im internationalen Durchschnitt bei 38,8 Prozent. Durch Platooning und weitere Vernetzungen, die eine bessere Ausnutzung von Ladekapazitäten ermöglichen, ließe sich dieser Anteil in Zukunft deutlich senken. Es würden schlicht immer weniger Fahrer benötigt. Bis 2030 könnte der Anteil der Lohnkosten am Lkw-Frachtverkehr auf unter 12 Prozent sinken. Im Fernverkehr müssten dafür dann aber auch der bislang rechtlich umstrittene selbstfahrende Lkw hinzukommen.

Der digitale Lkw versöhnt zwei Gegensätze miteinander: Zentrale Planung und Autonomie

Angetrieben wird die Entwicklung des digitalen Lkw-Transports laut PwC-Studie vor allem durch sechs technische Innovationen:

  1. der Kommunikation zwischen Fahrzeug und Infrastruktur
  2. der Kommunikation zwischen verschiedenen Fahrzeugen
  3. der Ferndiagnose bei technischen Problemen
  4. dem autonomen Fahren
  5. der integrierten Logistikkette
  6. digitalen Speditionen wie Frachtraum

Der vernetzte Lkw

Bereits beschlossen ist die Einführung des "intelligenten" Fahrtenschreibers (Smart-Tachos). Diese sind bei Neuanschaffungen in der EU ab 2019 Pflicht. Bis 2035 müssen sie dann auch in alten Lkw verbaut werden. Die smarten Tachos punkten vor allem durch diese drei Vorteile:

Allein die Kommunikation zwischen Fahrzeug und Infrastruktur wird die Effektivität des Frachtverkehrs spürbar verbessern. Die Fahrstrecke kann so individuell und dennoch in Abstimmung mit der jeweiligen Verkehrssituation (und dem Aufkommen an Transporten insgesamt) geplant werden. Daraus ergibt zugleich eine Optimierung des Verkehrsflusses auf den Straßen und die Vermeidung von Staus.

Der digitale Lkw "meldet sich selbstständig krank"

Die immer weiter verbesserte Telematik birgt aber auch betriebswirtschaftliche Chancen. In einem Forschungsprojekt namens In4Uptime untersucht Volvo beispielsweise, wie Datensignale aus dem Lkw genutzt werden können, um mögliche Defekte hervorsagen zu können. Dafür greift Volvo nicht nur auf die Daten aus dem Lkw zurück, sondern nutzt auch externe Daten aus dem Serviceverlauf und greift auch auf allgemeine Datenquellen über das Wetter oder die Verkehrslage zurück.

Im Ergebnis erhofft sich Volvo eine Software, die prognostiziert, wann ein Fahrzeug in die Werkstatt muss. Der Lkw würde sich dann gewissermaßen selbst "krankmelden" und um einen Werkstatt-Termin bitten. Da der Lkw fortlaufend kontrolliert wird, entfallen Inspektionstermine. Das würde nicht nur die Kosten für Reparaturen und Wartungen pro Lkw um 5 Prozent senken (Zahl der PwC-Studie), sondern auch die Lebensdauer der Fahrzeuge verbessern.

Die Steigerung der Fahrzeugverfügbarkeit ist schon heute eines der Verkaufsargumente, mit dem Mercedes Benz für sein Serviceprodukt Mercedes-Benz Uptime wirbt. Herzstück des Service ist das digitale Truck Data Center. Es ermöglicht u.a. den ständigen Austausch von Daten zwischen Truck und Vernetzungsdiensten. Das System überprüft fortlaufend in Echtzeit den Status des Fahrzeugs. Kritische Zustände werden innerhalb von Sekunden erkannt, sodass das System automatisch den Bedarf zu Wartungen oder Reparaturen meldet.

Der autonom fahrende Lkw

Seine Einführung ist derzeit noch mit vielen Fragezeichen versehen. Das technisch Machbare trifft hier rechtliche und ethische Bedenken. Wie sollen Algorithmen in Unfallsituationen entscheiden: eher nach links ausweichen und in Kauf nehmen, eine Rentnerin zu überfahren, oder nach rechts fahren und dort womöglich in eine Schulklasse rasen? Ähnlich unauflösbar sind (zumindest nach derzeitigem Stand) die damit verbundenen rechtlichen und versicherungstechnischen Fragen. Wer haftet im Fall eines Unfalls? Der Lkw-Besitzer oder der Software-Hersteller?

Die zum Teil hitzig geführte Diskussion um selbstfahrende Lkw wird aller Voraussicht nach aber wohl zu Unrecht geführt. Vermutlich wird der autonom fahrende Lkw ohnehin nur partielle Märkte erobern, etwa auf Langstreckenfahrten. Auf diesen lässt sich die benötigte Anzahl an Fahrern schließlich durch Platooning reduzieren, was in Anbetracht des akuten Fahrermangels zu positiven Reaktionen auf dem Logistikmarkt führen könnte.Fahrer würden dann vorwiegend auf Kurzstreckenfahrten benötigt. Auf den Fernfahrten würden sie Ihren Lkw in eine Wagenkolonne einreihen, selbst aber in Ihrer Umgebung bleiben.

Der digitale Lkw als Teil der Connected Supply Chain

Ziel der integrierten Lieferkette (der Connected Supply Chain) ist eine möglichst enge Verzahnung mit der Wertschöpfungskette. Im Idealfall werden dabei Ladekapazitäten optimal ausgeschöpft und Leerfahrten auf ein Minimum reduziert. Das ist schon heute mit den Funktionen möglich, die die digitale Spedition Frachtraum ihren Kunden bietet.

Der digitale Lkw folgt den Anforderungen des neuen Logistik-Marktes

Alle bislang angesprochen Innovationen beruhen auf digitalen Neuerungen, die sich nicht nur auf die Fahrzeugentwicklung auswirken, sondern den Logistik-Markt insgesamt verändern. Hervorzuheben sind dabei besonders

Big Data, Cloud Services und das Internet der Dinge haben jeder für sich genommen schon das Zeug zum "Game-Changer". Es verwundert daher nicht, dass sie schon jetzt dabei sind, den Logistikmarkt gründlich durcheinander zu wirbeln. Denn zumindest Big Data und Cloud Services sind heute bereits wesentlich am rasanten Aufstieg des Onlinehandels beteiligt. Die Folge: die City Logistik steht in vielen Städten nahezu vor dem Kollaps.

Das von der Digitalisierung erzeugte Problem lässt sich aller Voraussicht nach nur mit digitalen Mitteln lösen. Die PwC-Studie etwa geht davon aus, dass die Logistik künftig um zentrale Knotenpunkte nahe unserer Cities herum organisiert werden wird. Um diese Knotenpunkte (Hubs) herum werden dann Lieferungen in alle Himmelsrichtungen erfolgen. Diese "Hub-and-Spoke-Netzwerke" genannten Logistik-Einheiten werden den Logistikmarkt der Zukunft dominieren, so die Autoren der PwC-Studie.

Fazit: Der digitale Lkw verspricht etliche Effizienzgewinne. Aus einer sich zunehmend digitalisierenden Logistikbranche ist er im Grunde daher heute schon nicht mehr wegzudenken.