Noch immer verzichtet ein Großteil der Wirtschaft darauf, Risiken in der Lieferkette wirksam zu minimieren. Zu diesem Ergebnis kam erst jüngst die sechste Ausgabe des Hermes-Barometers. Demnach schreitet die Digitalisierung der Geschäftswelt zwar voran: 45 Prozent der befragten Unternehmen nutzen beispielsweise eine ERP-Software und 59 Prozent eine Software für den elektronischen Datenaustausch (EDI). Doch nur jedes fünfte Unternehmen hat Zugriff auf eine digitale Echtzeit-Supply-Chain. Diese ist aber Voraussetzung, um Lieferketten für alle Beteiligten zu jedem Zeitpunkt transparent zu gestalten, sodass Risiken frühzeitig erkannt und zeitnah gegengesteuert werden kann.

Mit anderen Worten: die Potentiale der digitalen Wertschöpfungskette werden noch immer viel zu wenig genutzt. Das ist umso verwunderlicher, wenn man bedenkt, dass eine digitale Spedition wie Frachtraum ihren Kunden das Tracking & Tracing von Frachten in Echtzeit längst standardmäßig anbietet. Immerhin scheinen viele Betriebe die Defizite erkannt zu haben. Acht von zehn Unternehmen planen, ihre Supply Chain neu aufzustellen, so die Hermes-Studie. Das ist auch dringend anzuraten: die Transparenz in der Supply Chain ist nur eines von vielen Themen, die durch die Digitalisierung der Wertschöpfungskette auf die Logistik einwirken. Wir haben uns für Sie angesehen, welche weiteren Effekte die digitalisierte Wertschöpfungskette in der Logistik auslöst.

Die Wertschöpfungskette wird digital, das hat auch Konsequenzen für die Logistik. READMORE
Die Wertschöpfungskette wird digital, das hat auch Konsequenzen für die Logistik. PIR04D on Pixabay

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Die Rolle der Logistik in der digitalen Wertschöpfungskette

In einer groß angelegten Studie über Trends und Strategien in Logistik und Supply Chain Management hat die Bundesvereinigung Logistik (BVL) untersucht, welche Auswirkung die Digitalisierung der Wirtschaft auf die Logistik hat. Die wenig überraschende Schlussfolgerung der Studie vorweg: "Die digitale Transformation erfordert einen konsequenten und aktiv gestalteten Unternehmenswandel"

Dieser Zwang zum Wandel entsteht auf zwei Weisen:

  1. Lieferketten sind immer nur Teil einer größeren Wertschöpfungskette. Daher schlagen Trends, die auf die Wertschöpfungskette einwirken, immer auch unmittelbar auf die Supply Chain durch. Wird der Kostendruck durch digitalisierte Abläufe in Produktion, Vertrieb oder Handel erhöht, wird dieser Druck stets an die Logistik durchgereicht. Ähnlich verhält es sich mit anderen exogenen Trends wie der wachsenden Individualisierung und Komplexität der Wertschöpfungskette.
  2. Auf diese exogenen Trends müssen Logistik-Betriebe wiederum mit endogenen Trends wie der Digitalisierung ihrer Geschäftsprozesse sowie einer verbesserten Transparenz in der Supply Chain reagieren.

Die Digitalisierung stärkt die Macht des Endkunden

Noch nie in der Geschichte der Menschheit war es so leicht, Waren aus aller Welt zu bestellen wie heute. Schon ein einfaches Smartphone öffnet uns als Kunden das Tor zu weltweit gehandelten Waren. Immer mehr Kunden entdecken, wie einfach und bequem Online-Shopping ist – 2017 gab es bereits 1,6 Milliarden E-Commerce-Nutzer weltweit.

Für Handel, Produktion und Logistik hat das enorme Folgen: die Kunden agieren individuell und wollen ebenso individuell behandelt werden. Das erhöht zwangsläufig auch die Komplexität der Logistik. Entsprechend aufwändiger wird es, primäre Logistikziele wie Termintreue, Lieferzuverlässigkeit und niedrige Lieferkosten einzuhalten.

Die digitale Wertschöpfungskette ist auf den Kunden fokussiert

Das Internet bietet jedem Kunden die Möglichkeit, Preise und Leistungen schnell miteinander zu vergleichen. Das erhöht für alle an der Wertschöpfungskette Beteiligten den Druck, kostengünstige Produkte anzubieten – und zwar zu kundenfreundlichen Konditionen. Was aber ist kundenfreundlich?

Um das herauszufinden, müssen Kundenbedarfe- und -bedürfnisse genau erfasst und möglichst noch vor der Kaufintention antizipiert werden. Das ist der Grund dafür, weshalb Daten (oder Big Data) auch als das Öl der Industrie 4.0 bezeichnet werden. In Summe dreht sich in der digitalen Wertschöpfungskette letztlich alles um den Kunden. Die "Customer Centricity" gibt damit die Richtung vor, in die die Digitalisierung der Logistik zu gehen hat.

Zwei Seiten der gleichen Medaille: Kundenorientierung und Datensteuerung

Die Digitalisierung schafft die Möglichkeit, praktisch alle Vorgänge in Daten festzuhalten und sie so digital steuer- und kontrollierbar zu machen. Das ist vor allem dort sinnvoll, wo Bestände festgehalten, Bedarfe prognostiziert und Störungen im Ablauf früh erkannt werden müssen. Am besten gelingt das, wenn Daten entlang der gesamten Wertschöpfungskette erhoben und möglichst allen Beteiligten so zugänglich gemacht werden, dass sich die Daten mit anderen vergleichen lassen.

Der Austausch von Daten über Firmengrenzen hinweg stößt jedoch nicht nur auf Bedenken des Datenschutzes und der Datensicherheit. Er ist auch eine Frage des gegenseitigen Vertrauens und der Bereitschaft von Firmen, eng miteinander zu kooperieren. Laut BVL-Studie wachse hierzulande immerhin die Einsicht, von "starren Sicherheitsbedenken abzulassen" und das "Potenzial des Teilens von Informationen entlang der Wertschöpfungskette" zu erkennen. Als noch zu lösendes Problem sehen Experten die fehlenden Schnittschnellen unterschiedlicher IT-Systeme sowie den Mangel an Standards für die Qualität und Integrität der Daten.

Agile Supply Netzwerke

Im digitalen Zeitalter wird die Geschwindigkeit zum Wettbewerbsvorteil. Wer rasch liefert und auch auf Sonderwünsche flexibel reagiert, ist klar im Vorteil. Wertschöpfungsketten werden daher in Zukunft flexibel konfigurierbar sein müssen. Entsprechend werden sich auch die Geschäftsprozesse dynamisch ans jeweilige Umfeld der Wertschöpfungskette anzupassen haben. Das ist nur durch eine weitere Digitalisierung und den Austausch von Daten möglich.

Auch der Endkunde will immer genauer wissen, wann seine Lieferung eintrifft. Die Bereitschaft von Kunden sinkt, auf Sendungen oder Transporte lange zu warten. Schnell und flexibel müssen sich daher nun Produktion, Handel und Logistik zeigen. Die Einführung innovativer Technologien, wie der Zugriff auf Daten über mobile Endgeräte (ein gutes Beispiel dafür ist die App von Frachtraum), ist dafür unerlässlich.

Die Geschäftsmodelle der Logistik müssen an die digitalisierte Wertschöpfungskette angepasst werden

Laut BVL-Studie geht bislang nur rund die Hälfte aller Logistik-Betriebe davon aus, das eigene Geschäftsmodell digital transformieren zu müssen. Das dürfte sich schon bald rächen. Künftig dürften nur die Betriebe im Wettbewerb bestehen, die flexibel, anpassungsfähig, kooperativ, schnell und hochwertig arbeiten.

Gelingen kann dies nur durch ein klares Bekenntnis zur Digitalisierung des eigenen Geschäftsmodells. Teil jeder Firmen-DNA muss ein intuitiver Umgang mit IT und den Erfordernissen einer digitalen Wirtschaft sein. Mitarbeiter und Führungspersonal müssen sich entsprechende Kompetenzen aneignen bzw. Mitarbeiter gewinnen, die diese Kompetenzen in den Betrieb bringen. Der späteste Zeitpunkt zum Einstieg in die Digitalisierung, so die BVL-Studie, ist jetzt.