Die 160 Autohöfe an deutschen Autobahnen und Bundesstraßen sind wie Häfen für LKW-Fahrer. Mit herkömmlichen Autobahnraststätten haben sie wenig gemein, an die Bezeichnung Autohof sind genaue Vorgaben geknüpft: So müssen sie an stark frequentierten Autobahnen mindestens 100, sonst immerhin noch 50 LKW-Parkplätze anbieten. Sie dürfen nicht mehr als einen Kilometer von einer Autobahnanschlussstelle entfernt liegen, müssen für LKW leicht erreichbar sein und die sanitären Anlagen auf Autohöfen müssen den besonderen Ansprüchen der Fernfahrer genügen. Eine Dusche mit fließend warmen Wasser sollte es also mindestens sein.

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Die Qualität der deutschen Autohöfe schwankt stark. Laut VEDA (Vereinigung deutscher Autohöfe e.V.) gibt es eine Entwicklung hin zu vielfältigen und preiswerten Verpflegungsangeboten, sauberen und technisch einwandfreien sanitären Anlagen, ausreichenden Parkplätzen sowie einem erhöhten Maß an Sicherheit. Ausgehend von dieser allgemein positiven Entwicklung fragen wir uns in diesem Blogbeitrag, wie sich Autohöfe weiter verändern und wie sie tatsächlich aussehen werden.

Vielseitigeres Angebot an Treibstoffen

Wie wir bei der Analyse der Shell-Mobility-Studie vor einigen Wochen festgestellt haben, spielen alternative Treibstoffe auch im Straßengütertransport eine zunehmend wichtige Rolle. Allen voran verflüssigtes Erdgas (LNG), das als hocheffizienter Energieträger das komprimierte Erdgas (CNG) durch seine höhere Energiedichte nach und nach verdrängen wird – auch weil die LKW-Hersteller den Fokus in der Entwicklung alternativer Antriebe auf diesen Energieträger richten. Je nachdem wie sich wasserstoff-betriebene Motoren in den nächsten zehn Jahren entwickeln, wird auch die Nachfrage nach Wasserstoff-Tankstellen an Autohöfen steigern. Alternativ dazu wird bei konstanter Weiterentwicklung von Elektromotoren eine Zunahme von Schnellladesäulen für elektrisch angetriebene LKWs zu beobachten sein.

Hallo, Herr Meier! – Mehr Automatisierung und Nutzerprofile

Wie in allen Lebensbereichen werden auch auf den Autohöfen der Zukunft viele Abläufe digitalisiert werden. Denkbar ist zum Beispiel, dass Autohöfe LKW-Fahrern anbieten, ihr individuelles Nutzerprofil anzulegen, in dem die bevorzugten Parkplatzbereiche genauso abgespeichert werden wie die am häufigsten bestellten Speisen, die bevorzugte Duschtemperatur etc. Letztendlich hätte jeder Fahrer so für die von ihm genutzten Autohöfe sein eigenes Nutzerprofil, das zum Beispiel auf einer Chipkarte hinterlegt ist. Den Betreibern der Anlagen wird so ermöglicht, ihr Angebot perfekt auf die Bedürfnisse der Gäste zuzuschneiden. Gleichzeitig werden automatisierte Überwachungskameras und Alarmsysteme auf den Parkplatzzonen für ein zunehmendes Maß an Frachtsicherheit sorgen.

Im Bereich Unterhaltung hat die Automatisierung sprichwörtlich ausgedient

Der Alltag eines LKW-Fahrers kann schnell eintönig werden. Umso wichtiger ist es, dass auf den Autohöfen neben guter Verpflegung, modernen Sanitäranlagen und ausreichenden Parkplätzen auch Unterhaltungsmöglichkeiten geboten werden. Das Stichwort Automatisierung greift auch hier – wenn auch im negativsten Sinne des Wortes: Das Angebot beschränkte sich bisher zumeist auf Spielautomaten, die in ihren Auswirkungen hoch problematisch sind. Wirft man einen Blick auf jüngere Entwicklungen wie Virtual Reality oder Holo Lenses, erscheint es realistisch, dass es in Zukunft möglich sein wird, Unterhaltung sogar mit Fitness- und Gesundheitsaspekten zu kombinieren. So wird – dem Virtual-Reality-Headset sei Dank – eine halbe Stunde Ego-Shooter spielen ganz nebenbei zur Herz-Kreislauf-Übung. Gleichzeitig schaffen die virtuell-realistischen Erlebnisse einen wichtigen Ausgleich zur täglichen Arbeit auf der Straße und sorgen so für mehr Ausgeglichenheit.

Die Möglichkeiten zur Ausgestaltung von Autohöfen sind schier endlos. Entscheidend dafür, ob sich neue Technologie in diesem Bereich durchsetzen wird, ist vor allen Dingen, ob den LKW-Fahrern ein echter Mehrwert, eine Erleichterung im Alltag geboten wird. Und natürlich: Bezahlen muss es am Ende auch jemand. Wir bleiben gespannt!