Wer in Deutschland gefährliche Güter auf der Straße transportieren möchte, hat sich an die Vorschriften des Gefahrgutbeförderungsgesetzes zu halten, abgekürzt: GGBefG (Pluspunkt für alle, die das aus dem Stand auswendig aufsagen können). Das Gesetz ist die nationale Umsetzung des Europäischen Übereinkommens über die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße – im Original: Accord européen relatif au transport international des marchandises Dangereuses par Route (ADR). Was es dabei zu beachten gilt, haben wir für Sie nachfolgend aufgeschrieben.

Für Gefahrguttransporte gelten Kennzeichnungspflichten – damit Rettungskräfte im Notfall wissen, wie sie richtig handeln READMORE Für Gefahrguttransporte gelten Kennzeichnungspflichten – damit Rettungskräfte im Notfall wissen, wie sie richtig handeln (USAG- Humphrey; CC BY 2.0)

Gefahren machen nicht an Grenzen halt, entsprechend international sind die Vorschriften für Gefahrguttransporte

Nahezu alle Vorschriften zum Transport von Gefahrgut beruhen auf dem sogenannte "Orange Book" der UN. Da Gefahrgüter schon seit langer Zeit grenzübergreifend transportiert werden, hat sich die UN schon früh auf Modellvorschriften geeinigt, die zuletzt 2007 in der nunmehr 15. Fassung als UN Recommendations on the Transport of Dangerous Goods vorliegen. Das ADR ist sozusagen die europäische Version dieser Vorschriften bezogen auf den Straßengüterverkehr.

Neben dem ADR ist der Gefahrguttransport noch geregelt durch:

Was gilt als "gefährliches Gut"?

Gesetzestexte zu zitieren, ist oft eine Qual für Leser. In diesem Fall sei es jedoch einmal gestattet, zumal die Definition des GGBefG (§ 2, Absatz 1) zwar lang, aber durchaus allgemeinverständlich ist:

Gefährliche Güter im Sinne dieses Gesetzes sind Stoffe und Gegenstände, von denen auf Grund ihrer Natur, ihrer Eigenschaften oder ihres Zustandes im Zusammenhang mit der Beförderung Gefahren für die öffentliche Sicherheit oder Ordnung, insbesondere für die Allgemeinheit, für wichtige Gemeingüter, für Leben und Gesundheit von Menschen sowie für Tiere und Sachen ausgehen können.

Wer Gefahrgut auf der Straße befördert, benötigt eine ADR-Schulungsbescheinigung

Um diesen Gefahrgutführerschein zu erhalten, müssen Fahrer erst einmal (mindestens) 3 Tage die Schulbank drücken. Sie pauken dabei nicht nur

Die anschließende Prüfung umfasst 30 Fragen, von denen 25 richtig beantwortet werden müssen. Abgelegt wird die Prüfung bei der zuständigen IHK. Wer besteht, erhält eine ADR-Schulungsbescheinigung, die fünf Jahre gültig ist (und bei jedem Gefahrguttransport mitgeführt werden muss). Wer bereits eine Bescheinigung abgelegt hat, kann innerhalb des letzten Gültigkeitsjahres eine Fortbildung besuchen. Diese dauert dann in der Regel nur noch anderthalb Tage. Auch die Fortbildung muss mit einer bestandenen IHK-Prüfung abgeschlossen werden, wenn die Bescheinigung um weitere fünf Jahre verlängert soll.

Für die Gefahrgutklassen 1 (Transporte explosiver Stoffe) und 7 (Transport radioaktiver Stoffe) sind gesonderte Aufbaukurse notwendig.

Unternehmen, die Gefahrgüter transportieren, benötigen zudem einen Gefahrgutbeauftragten. Dieser überwacht die Einhaltung der Gefahrgutvorschriften und erstellt Gefahrgutberichte, die fünf Jahre lang aufzubewahren und bei Bedarf vorzulegen sind. Auch der Gefahrgutbeauftragte muss über eine ADR-Schulungsbescheinigung verfügen – häufig ist es daher ein Mitarbeiter des Betriebs, der diese Aufgabe in Doppelbeschäftigung übernimmt.

Kennzeichnungspflicht laut ADR

Laut ADR sind Gefahrguttransporte schon von außen, am Lkw kenntlich zu machen. Dies dient zum einen dazu, anderen Verkehrsteilnehmern auf die mögliche (zusätzliche) Gefahr in der Umgebung aufmerksam zu machen, ist aber natürlich vor allem zur Sicherung und Bergung des Gefahrguts bei Unfällen wichtig.

Transporte sind daher entsprechend ihrer Gefahrgutklasse zu kennzeichnen. Je nach Art des Transportes muss dabei eine Kennzeichnung mit UN-Nummer und der Auszeichnung der potentiellen Gefahr erfolgen. Die Einteilung der UN sieht insgesamt 9 Klassen vor, wobei einige Klassen Unterklassen aufweisen:

Gefahrgutklassen

Klasse Beschreibung
Klasse 1 Explosive Stoffe (hier gibt es 6 Unterklassen mit Differenzierungen wie "massenexplosionsfähig" (1.1), der Gefahr, bei Explosion Splitter-, Spreng- oder Wurfstücke zu entwickeln (1.2.) oder "feuergefährlich" (1.3)) ADR 1
Klasse 2 Gase und gasförmige Stoffe mit den Unterklassen: 2.1 für entzündbare, 2.2. nicht entzündbare, 2.3 giftige Gase ADR 2.1ADR 2.2ADR 2.3
Klasse 3 Entzündbare flüssige Stoffe ADR 3
Klasse 4 Entzündbare feste Stoffe mit den Unterklassen: 4.1 für selbstersetzliche und desensibilisierte explosive Stoffe, 4.2 selbstentzündliche Stoffe und 4.3. Stoffe, die in Berührung mit Wasser entzündliche Gase bilden ADR 4.1ADR 4.2ADR 4.3
Klasse 5 Entzündet (oxidierend) wirkende Stoffe mit den Unterklassen 5.1 für entzündend wirkende Stoffe (sind selbst oft nicht brennbar sind, aber Brände verursachen oder fördern), 5.2 für organische Peroxide ADR 5.1ADR 5.2
Klasse 6 Giftige Stoffe mit den Unterklassen 6.1 für giftige Stoffe (Vergiftung durch Einatmung, Verschlucken, Berühren etc.), 6.2 für ansteckungsgefährliche Stoffe (die etwa infektiöse Krankheiten auslösen) Dangclass6 1ADR 6.2
Klasse 7 Radioaktive Stoffe ADR 7B
Klasse 8 Ätzende Stoffe ADR 8
Klasse 9 Verschiedene gefährliche Stoffe und Gegenstände, sprich alles, was sich in die vorausgegangenen Klassen nicht einordnen lässt, aber dennoch Gefahrenpotential beherbergt wie etwa Asbest, Trockeneis oder flüssiger Stickstoff. Für Lithiumbatterien gibt es seit dem 1. Januar 2017 die Unterklasse 9A ADR 9

By United Nations Economic Commsion for Europe, Public Domain, Link

Gefahrzettel und Warntafel

Die Art der Auszeichnung hängt jeweils von der Menge, dem Gefährlichkeitsgrad sowie dem Beförderungsweg ab. Das Transportfahrzeug muss jeweils mit einer Warntafel ausgezeichnet werden. Sie ist rechteckig sowie orange mit schwarzer Umrandung und (eventuell) schwarzer Schrift. Die Warntafel mit Gefahrnummerncode (oben die Kemler-Nummer, die Auskunft über die Art der Gefahr gibt, unten die UN-Nummer, die den beförderten Stoff genauer kennzeichnet) muss ans Fahrzeug angebracht werden, wenn damit unverpackte Gefahrgüter transportiert werden – das gilt also vor allem für Lkw mit Tanks oder Schüttgut-Containern. Wer lediglich einzeln verpackte und einzeln gekennzeichnete Gefahrgüter befördert, für den genügt auch eine unbeschriftete, neutrale Warntafel.

Der Gefahrenzettel ist auf den Gefahrgütern selbst anzubringen. Ihre Form ist stets ein auf die Spitze gedrehtes Quadrat. Darauf zu sehen ist das entsprechende Gefahrstoffsymbol sowie die Nummer der jeweiligen Gefahrgutklasse. Handelt es sich um einen für die Umwelt gefährdenden Stoff wird ein weiterer Gefahrzettel in neutralem Weiß benötigt, auf dem die UN Nummer zu lesen ist. Für Kleinmengen gelten Sonderregelungen. Als grobe Faustregel gilt dabei: Die Menge des zu transportierenden Gefahrguts (z.B. Benzin) wird mit dem Faktor 3 multipliziert (also z.B. 3 x 40 Liter Benzin). Bleibt die Endsummer unter der Zahl 1000, liegt eine Kleinmenge vor. Es gibt allerdings auch Gefahrgüter, für die ein anderer Faktor zur Berechnung gilt. Im Zweifelsfall sollte man daher besser bei der zuständigen IHK nachfragen.

Weitere ADR-Pflichten

Fahrer haben bei Gefahrguttransporten laut ADR eine Schriftliche Weisung mitzuführen. Ferner gehört zum Fahrzeug ein Feuerlöscher sowie beim Transport von Gasen eine entsprechende Belüftungseinrichtung. Wie andere Frachtgütern sind natürlich erst recht Gefahrgüter durch geeignete Mittel zu sichern.

Absender von Gefahrgütern haben die Versandstücke mit Gefahrzettel und UN-Nummer zu versehen. Sie müssen ebenfalls auf die von den Gütern ausgehende Gefahr aufmerksam machen und dürfen für den Transport nur Fahrer mit Gefahrgutführerschein einsetzen.

Verlader sind dazu verpflichtet, beim Verladen auf eventuelle Beschädigungen der Gefahrguts (bzw. deren Behälter) zu achten. Zudem müssen sie sich vorab informieren, ob die zu transportierenden Stoffe auch miteinander verladen werden dürfen und wie sie zu sichern sind. Die genaue Prüfung der Gefahrgüter gilt entsprechend auch für Entlader. Gefährliche Rückstände sind aus den Fahrzeugen zu entfernen. Entlader und Verlader sollten zudem jeweils prüfen lassen, ob sie einen Gefahrgutbeauftragen benötigen.